„Schweigend spricht der Stein“ und hält die Erinnerung wach

Die Ausstellung möchte den Besuchern einen Zugang zu den jüdischen Friedhöfen vermitteln. (Foto: Gedenkweg 9. November)

Ausstellung mit Bildern jüdischer Grabstätten wird am 22. Oktober eröffnet

BURGDORF (r/jk). „Schweigend spricht der Stein“ – eine Ausstellung mit Bildern jüdischer Grabstätten in Burgdorf und Hannover wird am Samstag, den 22. Oktober 2016 unter diesem Titel in der KulturWerkStadt eröffnet. Die Zeile ist einem Gedicht von Nelly Sachs entnommen, das auf einem Mahnmal für die Opfer des Holocaust in Jerusalem zu finden ist.
Der Arbeitskreis „Gedenkweg 9. November“ zeigt im ersten Teil Bilder, die der Historiker Dr. Peter Schulze zusammengestellt hat. Die Ausstellung möchte den Besucherinnen und Besuchern einen Zugang zu den jüdischen Friedhöfen vermitteln – als letztes sichtbares Zeugnis von Religion, Kultur und Alltagsleben des deutschen Judentums vor seinem gewaltsamen Ende. Es handelt sich um eindruckvolle Fotos von den ältesten jüdischen Friedhöfen in Hannover und der Region.
Ein zweiter Teil schildert die Geschichte des Burgdorfer jüdischen Friedhofes an der Uetzer Straße. „Haus des Lebens“, dieser Name steht in Hebräisch auf dem linken Pfosten der Eingangspforte des jüdischen Friedhofes. Ein Name voller Hoffnung. Gemeint ist: „Haus des ewigen Lebens.“ Dem Gedanken der Ewigkeit entspricht es, dass die Gräber auf jüdischen Friedhöfen „auf ewig“ angelegt sind. Gräber und Grabsteine bleiben über die Zeiten hinweg unangetastet.
Im Jahr 1694 wurde der ersten in Burgdorf ansässigen jüdischen Familie gestattet, ein Kind an einer abgelegenen Stelle, „Am Finkenherde“, zu begraben. An dem Ort, wo heute der jüdische Friedhof an der Uetzer Straße liegt. Der älteste erhaltene Grabstein trägt die Jahreszahl 1750.
„Friede wird sein über euren Gräbern“ ist auf dem rechten Pfosten der Eingangspforte zu lesen. Für die Stadt Burgdorf ist der jüdische Friedhof ein einzigartiges Kulturdenkmal, das erhalten werden muss, um Geschichte zu erinnern und Gewissen zu schärfen.
Die Ausstellung erinnert auch an die zweiundsechzig Burgdorfer Jüdinnen und Juden, die nicht auf dem Friedhof an der Uetzer Straße ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, weil sie deportiert und ermordet wurden und weil ihre sterblichen Leiber fern der Heimat verscharrt oder zu Asche verbrannt worden sind. Deren Todes- und Begräbnis-Orte liegen in Riga, Theresienstadt, Auschwitz, Treblinka, Lodz, Sobibor, Stutthof und in dem Teil Polens, der während der Zeit des Nationalsozialismus „Generalgouvernement“ genannt wurde. Auch in Sachsenhausen, Hartheim, Warschau, Berlin, Hamburg, Brandenburg und Minsk sind Menschen aus Burgdorf getötet worden.
Namentlich vorgestellt werden ebenfalls die Burgdorferinnen und Burgdorfer jüdischen Glaubens, die nicht an der Uetzer Straße ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, weil sie vor der Verfolgung in die Emigration flüchten konnten und fern der Heimat in einem anderen Land oder an einem anderen Ort ihr Grab gefunden haben. Es handelt sich um sechsundzwanzig Personen. Neun sind in London beigesetzt worden, acht in Argentinien, weitere in Kanada, Israel, USA und Frankreich.
Die Ausstellung zeichnet sich durch ein umfangreiches Begleitprogramm aus. Brigitte Janssen bietet Führungen auf dem jüdischen Friedhof an. Der Film „Im Himmel, unter der Erde: der jüdische Friedhof Berlin Weißensee“ wird am 2. November in der Neuen Schauburg zu sehen sein.
Vorträge zur Trauer und Bestattungskultur laden zur Begegnung mit der Glaubenswelt der in Burgdorf vertretenen Religionen ein. Bereits am Montag, 24. Oktober, wird Professorin Hamideh Mohagheghi von der Universität Paderborn die Anschauungen des Islam vorstellen. Professor Dr. Gabor Lengyel, Rabbiner der Liberalen jüdischen Gemeinde in Hannover, spricht am 15. November zum Judentum. Bereits zwei Tage später, am 17. November wird Yilmaz Kaba vom Zentralverband der Êzidischen Vereine e.V. über des Ezidentum sprechen. Superintendentin Sabine Preuschoff-Kleinschmit und Pfarrer Martin Karras werden am 22. November die Trauer- und Bestattungskultur der christlichen Gemeinden vorstellen. Die Vorträge beginnen jeweils um 19.00 Uhr in der Kulturwerkstadt. Die Ausstellung ist samstags und sonntags jeweils von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.
Die Eröffnung findet am Samstag, 22. Oktober, ab 15.00 Uhr statt. Für die Stadt Burgdorf wird der Ratsvorsitzende Olaf Weinel ein Grußwort überbringen. Dr. Peter Schulze wird mit einem Vortrag in die Ausstellung einführen und sich anschließend den Fragen der Besucherinnen und Besucher stellen. Die Moderation liegt in den Händen von Susanne Bürig-Heinze. Matthias Schorr und Michael Chalamov werden musikalisch die Veranstaltung bereichern.