Schöffen gesucht

Udo Baron ist seit vier Jahren Jugendschöffe und möchte das Ehrenamt gern fortsetzen. Im Interview erklärt er, was ihn dazu motiviert. (Foto: Georg Bosse)
 
Udo Baron ist seit vier Jahren Jugendschöffe und möchte das Ehrenamt gern fortsetzen. Im Interview erklärt er, was ihn dazu motiviert. (Foto: Georg Bosse)

Städte und Gemeinden suchen Schöffen und Jugendschöffen für die nächste Amtszeit / Jugendschöffe Udo Baron spricht im Interview über seine Motivation und die Herausforderungen des Ehrenamtes

BURGDORF/UETZE/ LEHRTE/SEHNDE (fh). Ehrenamtliche Richter gesucht: Bundesweit werden in den ersten Monaten dieses Jahres die Schöffen und Jugendschöffen für die Amtszeit 2019 bis 2023 gewählt. In Burgdorf und Uetze können sich Bürgerinnen und Bürger bewerben, die an den Verfahren am Landgericht Hildesheim und am Amtsgericht Burgdorf mitwirken wollen. An jedem Gerichtsprozess sind zwei Schöffen als Vertreter des Volkes beteiligt. Zusammen mit einem Berufsrichter, der das Verfahren leitet, fällen sie das Urteil. Ihre Meinung hat dabei ein großes Gewicht. Denn alle drei Stimmen sind gleichwertig. Gegen die Überzeugung der beiden ehrenamtlichen Richter kann niemand verurteilt werden.
Udo Baron ist seit vier Jahren als Jugendschöffe am Amtsgericht Burgdorf tätig und will sich auch für die neue Amtsperiode wieder bewerben. Im Interview mit dem Marktspiegel spricht er über seine Motivation, und die Herausforderungen seines verantwortungsvollen Ehrenamtes.


Warum engagieren Sie sich als Jugendschöffe?

Etwas formal ausgedrückt: aus staatsbürgerlicher Verantwortung. Außerdem interessiert mich das Thema persönlich. Ich habe selbst zwei Kinder. Sie sind mittlerweile erwachsen und in ihrer Jugend zum Glück nicht straffällig geworden. Aber ich weiß, wie schmal der Grat gerade auch in der Pubertät und bei Heranwachsenden sein kann. Manchmal ist es auch ein Zufall, der verhindert, dass man auf die andere Seite kippt.


Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe?

Ein Stück weit sehe ich mich sicherlich auch in der Rolle eines Sozialarbeiters. Das Ziel ist im Jugendstrafrecht in erster Linie die Resozialisierung. Es geht gerade in den Altersstufen ja nicht vorrangig um Strafe und Wegsperren, sondern darum, die Heranwachsenden wieder zu integrieren und zu verhindern, dass sie ganz aus dem gesellschaftlichen Kontext herausrutschen.


Warum ist es wichtig, dass auch Bürger ohne juristische Ausbildung an den Verfahren beteiligt sind und mit über das Urteil entscheiden?

Die Schöffen haben als Nichtjuristen einen anderen Blickwinkel. Die Schöffen sollen ein Stück weit die Gesellschaft widerspiegeln. Das sind ja auch nicht nur Akademiker, sondern sie werden quer durch alle Bevölkerungsschichten ausgewählt. Sie können ihre eigene Lebenserfahrung und Urteilskraft einbringen. Die Berufsrichter wiederum steuern das juristische Fachwissen bei. Beides kann sich, denke ich, positiv ergänzen.


Wie kommen Sie zu einer Entscheidung?

Weil ich vorab relativ wenige Fakten kenne, bin ich auf das angewiesen, was ich während der Verhandlung aufnehme. Für meine Entscheidungsfindung wäge ich das Für und Wider der Positionen ab, die von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Betroffenen vertreten werden. Aber auch subjektive Eindrücke spielen eine Rolle. Als Schöffe muss ich meine Meinung ja nicht anhand von Gesetzesparagraphen begründen, sondern argumentiere aus meiner Lebenserfahrung und rationalen Abwägung heraus.


Wie läuft ein Gerichtsverfahren für Sie als Schöffen ab?

Bevor wir zum jeweiligen Verhandlungstag komme, wissen wir als Schöffen nichts über den Fall. Das ist auch so vorgeschrieben. Wir haben auch keinen Einblick in die Akten. Erst kurz vor dem Verhandlungsbeginn erfahren wir vom zuständigen Richter mündlich, um welchen Sachverhalt es geht. Der Sinn dahinter, ist dass man relativ vorurteilsfrei in die Verhandlung geht. Im Gerichtsaal verfolgen wir dann den Prozess – also die Vorstellung des Falls durch die Staatsanwaltschaft, die Stellungnahmen des Angeklagten, die Zeugenaussagen und die abschließenden Plädoyers.


Und wie wird dann das Urteil gefällt?

Die beiden Schöffen und der Berufsrichter beraten sich. Wenn der Angeklagte gestanden hat, geht das oft relativ schnell. Dann muss nur noch das Strafmaß festgesetzt werden. Wenn der Angeklagte hingegen seine Unschuld beteuert und Argumente auf Argumente prallen, ist das langwieriger. Dann sitzen wir auch mal eine Stunde zusammen und diskutieren den Fall.


Haben Sie Bedenken, dass Sie auch einmal zu einem falschen Urteil kommen könnten?

Diese Bedenken hat man vermutlich immer. Zumindest mir geht das so. Aber ich wusste ja im Voraus, dass ich in diesem Ehrenamt Entscheidungen treffe, die ich vor mir selbst und anderen rechtfertigen und mit denen ich letztlich auch leben können muss. Man kann schließlich nicht nicht handeln. Wenn man keine Entscheidungen trifft, übernimmt das Schicksal das. Zum Glück hatte ich bisher noch nie in einem konkreten Fall im Nachhinein das Gefühl, dass wir daneben lagen.

Interview: Franka Haak


Infos für Bewerber

Bewerber müssen zu Beginn der nächsten Amtsperiode am 1. Januar 2019 zwischen 25 und 69 Jahre alt sein. Neben formalen Voraussetzungen wie der deutschen Staatsangehörigkeit und dem Wohnsitz in Burgdorf beziehungsweise Uetze sollten Schöffen über soziale Kompetenz verfügen. Das verantwortungsvolle Amt eines Schöffen verlangt in hohem Maße Unparteilichkeit, Selbstständigkeit und Reife des Urteils. Von ihnen werden Lebenserfahrung und Menschenkenntnis erwartet. Schöffen in Jugendstrafsachen sollten außerdem in der Jugenderziehung über besondere Erfahrung verfügen.
Für die Schöffen wird die Vorschlagsliste nach Bewerbungsschluss vom Rat der Stadt Burgdorf beziehungsweise vom Rat der Gemeinde Uetze erstellt, bei den Jugendschöffen ist der Jugendhilfeausschuss der Region Hannover dafür zuständig. Sie schlagen jeweils doppelt so viele Kandidaten vor, wie an Schöffen benötigt werden. Der Schöffenwahlausschuss beim Amtsgericht wird in der zweiten Jahreshälfte 2018 daraus dann die Haupt- und Hilfsschöffen wählen. Detaillierte Infos gibt es auch im Internet unter www.schoeffenwahl.de.


Bewerbung in Burgdorf

Die Bewerbungsfrist für Schöffen endet in Burgdorf am 31. März. Wer sich in Burgdorf als Schöffe bewerben möchte, muss bis dahin einen entsprechenden Antrag per Brief an die Ordnungsabteilung der Stadt Burgdorf, Spittaplatz 4, per Fax an (05136)8984330 oder per Mail an ordnungsamt@burgdorf.de einreichen. Weitere Infos und ein Bewerbungsformular finden sich auf der Internetseite der Stadt unter www.burgdorf.de (Suchwort: Schöffenwahl).
Für Jugendschöffen endet die Bewerbungsfrist bereits am 28. Februar. Wer Interesse an diesem Ehrenamt hat, meldet sich bei der Stadt Burgdorf im Jugendamt, Rathaus I, Marktstraße 55. Weitere Infos gibt es unter Telefon (05136) 898 318 erteilt.


Bewerbung in Uetze

In Uetze endet die Bewerbungsfrist für das Amt der Schöffen und Jugendschöffen bereits am 20. Februar. Bis dahin richten Interessierte ihre Bewerbung an die Gemeinde Uetze, Team Bürgerbüro, Ordnung und Verkehr, Rathaus, Zimmer 006, Marktstraße 9, 31311 Uetze. Weitere Infos gibt Andreas Kühne unter Telefon (05173) 970-321. Ein Bewerbungsformular ist im Rathaus erhältlich. Außerdem steht es auf der Internetseite der Gemeinde Uetze unter www.uetze.de bereit. Dort gibt es auch weiterführende Infos zur Schöffenwahl.


Bewerbung in Lehrte

Für Prozesse am Amtsgericht Lehrte und am Landgericht Hildesheim sucht die Stadt Lehrte Schöffen. Weitere Informationen telefonisch unter (05132) 505-131 (Erwachsenenstrafsachen) und (05132) 505-125 (Jugendstrafsachen) und auf der Internetseite der Stadt Lehrte. Bewerbungsschluss ist der 15. März. Weitere Infos gibt es unter www.lehrte.de


Bewerbung in Sehnde

Für Prozesse am Amtsgericht Lehrte und am Landgericht Hildesheim sucht die Stadt Sehnde Schöffen. Weitere Informationen telefonisch unter (05138) 707-237 (Erwachsenenstrafsachen) und (05138) 707-238 (Jugendstrafsachen) und auf der Internetseite der Stadt Sehnde. Bewerbungsschluss ist der 1. März (Jugend) und der 15. März. Weitere Infos gibt es unter www.sehnde.de.