Schneewittchen ist boshafter als gedacht

Anna Piechotta überzeugte mit rabenschwarzen Humor und glasklarer Stimme.

Anna Piechotta begeisterte im Rahmen der Frauenkulturtage

VON DANA NOLL

SEHNDE. Anna Piechotta kam auf die Bühne und wollte gleich wieder gehen. "Künstlerische Freiheit" nannte sie das und freute sich über die erstaunten und überraschten Gesichter im Publikum. Kunstkenner wussten natürlich gleich, dass es sich hierbei nur um einen durchaus geplanten Teil ihrer Darbietung handelte.
Überrascht wurden die Besucherinnen und Besucher auch schon vor dem Start des Programms, zu dem der Kulturverein Sehnde im Rahmen der Frauenkulturtage in die Kooperative Gesamtschule (KGS) eingeladen hatte. Denn sie durften nicht wie üblich im Saal sitzen, sondern wurden mitten auf der Bühne platziert. Der Vorverkauf lief eher mäßig und so entschied man sich kurzerhand, die Bestuhlung rund um Klavier und Künstlerin zu platzieren. Die etwa 50 Besucherinnen - vereinzelt sah man auch Herren in den Reihen - waren somit ganz nah am Geschehen.
"Ich freue mich, sie zu sehen und hoffe, dass wir uns gut verstehen", so Anna Piechotta in ihrem Eingangslied. Mit dem Verstehen war das so eine Sache. Denn die Künstlerin bot rabenschwarzen Humor, der manchmal etwas skurril und schräg wirkte. Doch das Sehnder Publikum zeigte sich überwiegend begeistert und schien beeindruckt von der glasklaren Altstimme sowie dem virtuosem Klavierspiel, das Piechotta bot.
Mit "Schneewittchen ist tot" brachte die Künstlerin bitterböse Lieder auf die Bühne, die trotz allem irgendwie charmant und interessant wirkten. Doch von ihrem zarten Wesen und dem Schneewittchen-Gesicht sollte man sich an dem Abend nicht täuschen lassen. Denn Piechotta macht bereits seit 20 Jahren Musikkabarett und wusste daher sehr gut, wie sie ihr übersichtliches Publikum in den Bann ziehen konnte. Sie interagierte kokett mit ihm und die Sehnderinnen und Sehnder ließen sich gern auf ein Gespräch mit der Künstlerin ein. In den 18 Liedern, die Anna Piechotta darbot, wurden Katzen zu Kriminellen und Einbrecher zu Liebhabern. Auch die Jüngsten bekamen mit dem "Schlaflied" ihr Fett weg, in dem sie von Geistern sang, die nachts ins Zimmer kommen, um "Playmobil-Burgen zu zerstören und Barbie die Haare abzuschneiden!" Böse - aber unterhaltsam.