„Sauberkeit im Wandel der Zeit“ blickt auf die Kulturgeschichte der Schmutzentfernung zurück

Während der Ausstellungseröffnung konnten die Besucher einen ersten Blick auf die Exponate der Ausstellung werfen. (Foto: VVV)
 
Anke Gehrke (links) stellt die neue Ausstellung in der KulturWerkStadt vor. (Foto: VVV)

Als die Waschmaschine noch in weiter Zukunft lag - Ausstellung in der KulturWerkStadt

BURGDORF (r/jk). Schrubben, Scheuern, Säubern! Drei Schlüsselbegriffe in der Welt des Waschens, die seit Jahrtausenden zu den ungeliebten Ritualen des Hausfrauenlebens gehören und erst in der heutigen Zeit dank technischer Hilfsmittel ihren früheren Schrecken eingebüßt haben. Wie sich das Putzen und menschliche Reinigungsbedürfnis für Körper und Wäsche als eine Kulturtechnik im Verlauf der Jahrhunderte entwickelte, zeigt die neue Ausstellung „Waschen-Baden-Putzen: Sauberkeit im Wandel der Zeit“, die der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt Burgdorf mit Unterstützung der Stadtsparkasse Burgdorf in der KulturWerkStadt (Poststraße 2) eröffneten.
Einen großen Anteil der bis zum 19. Januar ausgestellten Exponate steuerte der Celler Sammler Norbert Schlumbohm bei. Als ein gut geeignetes Medium der Schmutzbeseitigung genießt die Seife seit Urzeiten einen hervorragenden Ruf. So erfuhren die Teilnehmer der von Ausstellungsmacherin und VVV-Museumspädagogin Anke Gehrke geleiteten Eröffnungsführung, dass das älteste Seifenrezept schon aus dem Jahr 2500 v. Chr. stammt und von den Sumerern auf einer Tontafel verewigt wurde. Zur Verwendung kam mit verschiedenen Ölen verkochte alkalische Pottasche aus verbrannten Pflanzen und Hölzern.
Schon bei den alten Römern etablierte sich das Waschbrett in diversen Materialvariationen als ein wichtiges Hilfswerkzeug zur Erleichterung des mühseligen Waschprozesses. Gehrke verriet, dass das Waschen im häuslichen Bereich riesige Wassermengen verschlang. Eine etwas bequemere Alternative bot der Waschvorgang an einem Gewässer wie der Burgdorfer Aue, der mit dem Ausbleichen der Wäsche in der frischen Luft endete. Beim völkerübergreifenden Einsatz des Waschbrettes blieb es über Generationen hinweg. Wie Gehrke schilderte, entpuppte sich erst der seit den 1940er eingeführte Wäschestampfer als wirkungsvolle Innovation.
Die unbestrittene Führungsrolle als neu aufkommende technische Waschapparatur nahm die Waschmaschine nach der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. In ihrem Anfangsstadium hatte sie noch unter der Tatsache zu leiden, dass ihr mangels Heizspirale das Erhitzen des Wassers verwehrt blieb und sie keinen elektrischen Antrieb vorwies. Erst seit den 1950er Jahren feierte sie ihre technische Reife als vollautomatische Trommelkonstruktion und zog bis in die 1970er Jahre in (fast) alle deutschen Haushalte ein. Damit erlöste sie die Hausfrau oder nunmehr zunehmend berufstätige Frau endgültig von dem Zwang, unter zeitraubenden Anstrengungen selbst Hand anlegen zu müssen. Anke Gehrke rief in Erinnerung, dass die Erfindung synthetischer Waschmittel wie „Persil“ oder „Fewa“ dem Siegeszug der Waschmaschine den Weg ebnete, da die bisher eingesetzte Seifenlauge eine zu starke Schaumbildung nach sich zog.
Heute ist das Badezimmer eine selbstverständliche Einrichtung in jeder Wohnung. Doch bis dahin war es schon allein durch die fehlenden Wasseranschlüsse und nicht vorhandene Kanalisation (in Burgdorf erst 1934 eingerichtet) ein langer Weg, wie Gehrke zu erzählen wusste. Was die körperlichen Ausscheidungen betraf, behalfen sich die Menschen in den früheren Jahrhunderten mit Nachtstühlen- oder -töpfen oder in gehobenen Kreisen mit einem Aborterker. Die körperliche Säuberung beschränkte sich auf die tägliche Nutzung einer Waschschüssel. Bei der Zahnpflege kamen Zahnbürsten aus Pferdehaar zum Einsatz. Meist nur am Wochenende stand ein ausgedehnter Aufenthalt in einer Bottichwanne an. Als eine weitere, schon von den Römern gern genutzte und im Mittelalter wieder aufgegriffene Variante der Körperpflege stellte die Museumspädagogin die öffentlichen Badehäuser vor, die es in Burgdorf bis 1970 gab.
Auf der Beliebtheitsskala des hausfräulichen Aufgabenspektrums stand die Wohnungsreinigung vor der Erfindung des Staubsaugers und effektiver künstlicher Putzmittel sicher nicht auf dem vorderen Rang. In früheren Zeiten waren große körperliche Anstrengungen notwendig, um mit Scheuersand, Soda oder Glaskraut die Wohnflächen zu beschrubben. Zum Abschluss ihrer Führung, die viele ältere Besucher an ihre Kindheitstage erinnerte, stellte Anke Gehrke ein kurioses Hilfsmittel zum Putzen vor: einen um 1900 entwickelten Fegerock, an dessem unterem Saum eine Borte mit feinen Borsten angebracht war, sodass die Hausfrau beim Durchschreiten des Raumes den Boden fegte.
Die kulturgeschichtliche Schau ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Führungen können in Absprache mit VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich (Tel. 05136 – 1862) auch innerhalb der Woche stattfinden.