Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Susanne Paul ist Pastorin der Evangelisch-lutherischen Martin-Luther-Kirchengemeinde Ehlershausen. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Heraus mit der Sprache!

Von Pastorin Susanne Paul

Eine Woche Schweigen – können Sie sich das vorstellen? Ich nicht. Die Sprache ist meine Möglichkeit, mit anderen in Kontakt zu kommen, mich auszudrücken. Nicht immer so eindeutig, wie ich mir das wünsche und oft voller gefährlicher Fallen. Wie schnell kommt etwas Gesagtes ganz anders als gemeint an.
Meine Sprache ist geprägt durch meine Lebensumstände. So war das auch schon früher. Im 17.Jh galt es als fein, französisch zu sprechen. Deshalb gibt es heute Tante und Onkel und nicht mehr Muhme und Oheim.
Mir tönen nach Freizeiten mit Jugendlichen lange noch die Ohren von all den voll krass, echt cool, Hammer.
Und mit „Fräulein“ wird heute keine unverheiratete Frau mehr ernsthaft angeredet.
Sprache ist ein Abbild unserer Wirklichkeit. Deshalb braucht sie aber auch unsere Aufmerksamkeit, denn sie kann uns auch leicht aufs Glatteis führen.
„30%weniger Fett“ hört sich ganz anders an als „70% Fett. Was bei Wurst und Käse klappt, funktioniert auch sonst. Sprache ist nie interessenfrei, nie objektiv.
In der Bibel wird erzählt, dass Gott durch das Wort Leben schafft. Das ist ein Maßstab, den ich mir im Alltag wünsche: Sprache als Mittel, um etwas zu gestalten, um etwas entstehen zu lassen – nicht, um zu zerstören und niederzumachen.
Worte, die gut tun und aufbauen, die anderen achten und in ihrer Andersartigkeit respektieren, eine Sprache sprechen, die sich auseinandersetzt, um danach etwas neues zusammenzusetzen. Ich finde, eine solche Sprache ist in diesen Zeiten nötiger denn je!