Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Karsten Ruß, Musiker und Sprecherzieher, wirkt in der musikalischen Arbeit in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde „Zum Heilgen Kreuz“ in Arpke mit. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Zur rechten Zeit!

Von Kirchenmusiker Karsten Ruß

Die Tage werden kürzer, der Herbst hat begonnen. Der und die andere wird sich eventuell nun drinnen am Kamin wieder versammeln, den heißen Tee und dicke Socken schätzen lernen. Andere packt allerdings auch schon mal der Herbst-Winterblues.
Für eine „saisonale“ Müdig- und Lustlosigkeit werden hilfreiche Maßnahme genannt: Licht, Luft und Farben.
Tja – wenn das so einfach wäre. Was kann „man“ einem müden Menschen raten? Müde sind wir frühmorgens, aber auch vom Leben, wenn die 28. Absage für einen Arbeitsplatz kommt, wenn wir jemanden verloren haben, nach einer durchweinten Nacht . . .
In einem alten biblischen Prophetenwort um 700 vor Christi wird uns folgende Handlungsweise nahegelegt: Gott, der Herr, hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse mit den Müden zu rechter Zeit zu reden (Jesaja 50, 4).
Übersetzt: Mit Müden soll man achtsam umgehen. Der Schreiber mahnt, dass man seine „Zunge“ rechtzeitig gebrauchen soll. Resignierten und Hoffnungslosen ist nicht mit oberflächlichen Tipps und Schulterklopfen beizukommen, aber mit aufmerksamen Zuhören - zur rechten Zeit. Darum sollten wir wissen.
Gott, der Schöpfer, so heißt es im Jesajavers, verleiht uns solche Empathie für den anderen. Sein ganzes Wesen ist darauf ausgerichtet, dass uns geholfen wird. Denn er liebt seine Geschöpfe und will nicht, dass sie erschöpft bleiben.
Er gibt Kraft für jeden Tag. Und er will, dass wir zur rechten Zeit ebenso anderen „Lebensmüden“ helfen. Ich wünsche uns solche Wachsamkeit füreinander.