Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Birgit Hornig ist Diakonin in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ilten-Höver-Bilm. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Frühjahrsputz für die Seele

Von Diakonin Birgit Hornig

„Ordnung ist für dumme Menschen. Ein Genie überblickt das Chaos.“ Als Jugendliche war ich begeistert von diesem Sinnspruch meiner etwas unkonventionellen Tante. Nicht nur rechtfertigte er, dass mein Zimmer genauso aussehen durfte wie zumeist: vollkommen unaufgeräumt.
Gleichzeitig bescheinigte er mir eine gewisse Genialität, weil ich doch immer alles fand, was ich brauchte und mein heilloses Durcheinander sehr gut überblickte. Oberflächlich jedenfalls.
Im Verlauf meines Lebens habe ich wohl einen Teil meiner Genialität eingebüßt. Zunehmend schätze ich eine aufgeräumte Wohnung, einen leeren Schreibtisch, der mir das Denken und Arbeiten erleichtert.
Inzwischen glaube ich an die Wechselwirkung von Umgebung und Geist: wenn ich die Dinge um mich herum ordne, ist auch meine Seele aufgeräumter.
Beim „Frühjahrsputz“, wenn ich die Sachen in die Hand nehme, sie abstaube und ihnen ihren richtigen Platz zuweise, dann tu ich das nicht nur im wörtlichen sondern auch im übertragenen Sinne. Woher hab ich dieses Ding? Welche Erinnerungen hängen daran?
Welchen Platz soll es in meiner Wohnung und in meinem Leben haben? Oder hat es ausgedient? Das hat etwas mit Wertschätzung zu tun. Wie gut fühlt sich ein entstaubtes und entrümpeltes Haus an! Und wie viel klarer kann ich darin denken und fühlen.
Ich habe wieder Überblick – nicht nur oberflächlich. Was wichtig und was nebensächlich ist, kann ich viel deutlicher erkennen. Welche Rolle spielt Gott in meinem Leben? Wo liegen Sinn und Ziel meines Lebens?
Vielleicht ist ja der Frühlingsanfang im März ein Anlass für einen Frühjahrsputz – innerlich wie äußerlich. Vergangenen Mittwoch hat die Fastenzeit begonnen: für viele Christen ein Anlass, bis Ostern auf liebgewordene Gewohnheiten zu verzichten, um einen neuen Blick auf den Alltag und den Glauben zu gewinnen.
Gewissermaßen auch ein Aufräumen – nicht für dumme Menschen sondern für achtsame. Probieren Sie es doch auch mal.