Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Rüdiger-Mirco Nijenhof ist Sprecher der Lektoren und Prädikanten im Kirchenkreis Burgdorf. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.

Von Lektor- und Prädikantensprecher Rüdiger-Mirco Nijenhof

Vor ein paar Jahren verkleidete sich mein damals dreijähriger Neffe beim Fasching als Tigger und übte am Vorabend. Im Tiggerkostüm versteckte er sich, wartete auf uns und kam dann mit großem Gebrüll herausgesprungen. Wir taten ihm den Gefallen, erschraken uns sehr. Da nahm er, um uns zu beruhigen, seine Maske ab, nahm uns zum Trost in den Arm und sagte: „Müsst keine Angst haben. Ich bin’s nur.“
Gerade Kinder verkleiden sich zu Fasching gerne, doch auch sonst verkleiden und verstecken Menschen sich häufig hinter Masken, sei es im Internet oder wenn jemand um sich sicherer zu fühlen in eine Rolle hineinschlüpft und so vielleicht den Unnahbaren oder die Arrogante gibt.
Jeder Mensch hat Rollen in denen er seinen Alltag meistert, hat Masken, hinter die er sich zurückzieht. Es ist ein Vertrauensbeweis, wenn wir jemanden hinter die Maske sehen lassen, zeigen wie wir wirklich sind. Verletzlich, gerade nicht fehlerfrei, ein Mensch. Dann lassen wir zu, dass jemand in unser Herz sieht und das allein berührt uns schon. Es ist gut, wenn jemand auch hinter die Maske schaut und einen versteht.
Wir leben mit den Masken. Wissen meist kaum, was für ein Mensch hinter der Maske steckt. Gott ist anders. Er ist derjenige, der Dich und mich schon kannte, bevor irgendwer an uns dachte und der uns schon damals geliebt hat. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an. [1. Samuel 16, 7b] Bevor Du Deine Maske abnehmen kannst, hat er Dir längst liebevoll ins Herz geschaut und lächelt, wenn Du ihm zurufst: „Ich bin’s nur.“ Er weiß es längst.