Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Hille de Maeyer ist Krankenhausseelsorgerin im Klinikum Lehrte und im Klinikum Wahrendorff. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Wer heiratete die Nonne Katharina von Bora?

Von Pastorin Hille de Maeyer

Sie war fünf, als ihr Vater sie ins Kloster gab. Mit neun konnte sie lesen und schreiben, war unterwiesen in Sitte und Anstand und gewöhnt an klösterliche Zucht. Als junge Frau lernte sie die Schriften Martin Luthers kennen: "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Ein Traum.
Zwölf Nonnen, darunter Katharina von Bora, wagten die Flucht aus dem Kloster. Das war 1523. Während ihre Mitschwestern heirateten, lehnte Katharina den vorgeschlagenen Kandidaten ab. Allein den werten Herrn Doktor Luther würde sie ehelichen. Der aber zögerte. Zwar pries er die Ehe als Gottes gute Gabe, aber er selbst mochte sich nicht darauf einlassen.
Katharina war beharrlich. 1525 wurde die Hochzeit gefeiert. Sechs Kinder kamen zur Welt. Magdalena starb mit 14. Ihr Tod stürzte die Eltern in Verzweiflung. Verhaltener war die Trauer beim Tod der acht Monate alten Elisabeth. Bei einer Säuglingssterblichkeit von 30 Prozent kam die Familie Luther verhältnismäßig glimpflich davon.
Katharina war die Tüchtigkeit in Person. Sie legte Gärten an, hielt Schafe, Schweine und Kühe. Es gab viele Mäuler zu stopfen: Knechte und Mägde, Studenten, die gegen Kostgeld im Haus lebten, und all die Gäste, die ihr Mann einlud. Luther indes verehrte seine Frau. Mein Liebchen, mein Herr Käthe, mein Morgenstern zu Wittenberg, so nannte er sie.
Die Ehe währte 21 Jahre. Als Luther 1546 starb, verlor Katharina ihre Rechte. Gegen den testamentarischen Willen ihres Mannes bekam sie einen Vormund. 1552 fiel sie von einem Pferdewagen und starb 53-jährig an den Folgen dieses Unfalls.