Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

(Foto: Thorsten Leißer)

„Anfangen heißt Leben.“

Von Pastor Thorsten Leißer

Das leere Blatt Papier liegt vor mir auf dem Tisch. Lange schon habe ich mir vorgenommen, diesen Brief zu schreiben. Es ist eigentlich gar nichts Besonderes, einfach ein Brief an eine alte Freundin.
Gut, wir haben uns lange nicht gesehen und auch ewig nichts voneinander gehört, aber das hatte keine bestimmten Gründe. Ich weiß gar nicht mehr, wann das war und von wem das ausgegangen ist. War ich es sogar, der ihren letzten Brief nicht mehr beantwortet hat?
Anfangen finde ich generell schwierig. Einen Anfang finden - das ist vielleicht die größte Aufgabe im Leben. Das geht nicht einfach so zwischendurch. Ich brauche dafür Ruhe und auch Muße. Dabei ist es aber doch so wichtig, immer wieder anzufangen. Ich glaube fast, Anfangen heißt Leben.
"Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden.“ heißt es im 2. Korintherbrief. Das klingt zumindest ganz einfach. Ich denke an diesen Wanderprediger, der den Menschen von Gott erzählt hat. Jesus hat sie direkt angesprochen, aufgerichtet, befreit aus ihrer Einsamkeit.
Sie konnten neu anfangen mit Gott, aber auch mit sich selbst und ihren Freunden, Nachbarn und Verwandten. Und das alles, weil Gott nicht darauf wartet, dass sie den ersten Schritt machen.
Vielleicht bedeutet ja "in Christus" sein, ihm zu vertrauen, seiner befreienden Botschaft zu glauben. Zu glauben, dass es nie zu spät ist im Leben. Dem Anfangen wohnt ein Zauber inne, den Menschen zu jeder Zeit ihres Lebens erfahren können. Wahrscheinlich haben ältere Menschen dafür ein noch größeres Gespür als die jungen.
Da sitze ich nun vor meinem Brief. Warum habe ich mir nur vorher so viele Gedanken gemacht? Ich kann einfach loslegen. Die ersten Worte fließen mir richtig aus der Feder. Wie befreiend kann es doch sein, anzufangen und dem Neuen entgegen zu leben!