Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Uwe Büttner ist evangelisch-lutherischer Gemeindepastor in Sehnde. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

„Glühwein-Gespräch“ - Von Pastor Uwe Büttner

„Nicht heiß, aber zu süß!“ Der Mann mir gegenüber am Stehtisch setzt die Glühweintasse ab und blickt herum. „Licht scheint in die Finsternis! Verdammt viel Licht brennt hier. Aber was wird damit heller?“
Ich ahne, was er meint: „Vielleicht bringt der Stand von Brot-für-die-Welt etwas Licht in die Finsternis.“ „Da laufen die meisten doch einfach vorbei.“
Er beobachtet den Weihnachtsmarkt. „Is´ alles nur beleuchtete Finsternis!“ Ich blicke skeptisch. „Ja, ich weiß, adventlich ist das nicht. Aber ich fühle mich gerade nicht adventlich“, und zeichnet kleine Anführungsstriche in die Luft.
„Überall wird es finster. Man fragt sich, ob das Weltklima zu retten ist oder wie es in den USA weitergeht. Hier bei uns sehen viele schwarz. Tatsachen und Zusammenhängen sind ihnen zu viel.
Sie geben den Schwächsten für alles die Schuld und reden ohne jede Kultur und Menschlichkeit. Hier müsste vielen mal ein Licht aufgehen.“
„Naja“, sage ich, „es gehört zum 2. Advent, dass die Finsternis der Welt gesehen wird, in die das Licht hinein scheinen soll. Wir sollen in der Finsternis gerade nicht aufgeben, den Kopf nicht in den Sand oder die Glühweintasse stecken.
Wenn ihr das seht, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht! heißt der Satz, der über dem 2. Advent steht.“
„Du bist Pastor?“ Er mustert mich. „Und du sprichst vom Widerstand gegen die Finsternis? – Na, dann mach´ es besser, als dieser Glühwein – richtig heiß und nicht so süß! Tschüss.“ Er dreht sich um und geht.


HALLO SATZ: NACHVOLGENDE TEXTSEQUENZ ALS "ZWISCHENÜBERSCHRIFT" IN DEN FLIESSTEXT REIN SCHNEIDEN!:
Lukas 21,18: Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
(Wochenspruch zum 2. Sonntag im Advent)