Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Sabine Preuschoff ist Superintendentin des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Burgdorf. (Foto: Kirchenkreis/Wolfgang Hornig)

Den Tod zulassen . . .

Von Superintendentin Sabine Preuschoff

November. Wir gedenken unserer Toten: am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, am Totensonntag der Verstorbenen, denen wir verbunden waren. Doch: Ist Trauer nicht etwas Privates? Braucht es dazu einen Feiertag?
Wenn ich um einen Menschen trauere, dann braucht meine Seele Zeit – zum Erinnern, zum Loslassen. Diese Zeit kann mir niemand per Feiertag vorschreiben.
Und doch brauchen wir diese Feiertage. Weil sie uns daran erinnern, dass der Tod zu unserem Leben gehört.
Das wollen die Wenigsten an sich heranlassen: Beim Geburtstagsbesuch erzählt die Jubilarin vom frühen Tod ihres Kindes und bricht in Tränen aus. Die anderen Gäste muntern auf: „Na, heute wollen wir fröhlich sein!“ Trauer darf nicht gelebt werden.
Wenn der Tod dann eingetreten ist, kann es manchen gar nicht schnell genug gehen: der Leichnam muss sofort aus dem Haus, die Trauerfeier schnell von statten gehen. Am besten am Wochenende, damit kein Urlaubstag draufgeht!
Der Tod hat keinen Platz in unserer verdichteten Lebenszeit. Aber er fragt nicht nach dem rechten Zeitpunkt. Er bricht in unser Leben ein und bringt es gewaltig durcheinander.
Also schieben wir ihn weg. „Freidenker“ kämpfen darum, dass man auch am Karfreitag oder Totensonntag öffentliche Partys feiern darf. Bloß nicht über den Tod nachdenken – und damit über das eigene Leben: ob es ausgefüllt ist, ob ich mein Leben wirklich lebe.
So wie es Psalm 90 sagt: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“
Wenn wir den Tod in unser Leben lassen, gewinnen wir einen neuen Blick auf das Leben. Und wenn wir am Ewigkeitssonntag auf den Friedhöfen Andachten feiern, erzählen wir von der Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern dass Gott uns zu neuem Leben auferstehen lässt.