Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Pastorin Ilka Greunig ist Klinikseelsorgerin im Klinikum Wahrendorff. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Gottes Logik

Von Pastorin Ilka Greunig

„Ich frage mich die ganze Zeit, was ich eigentlich falsch gemacht habe“, sagt die Frau, die mir im Krankenzimmer gegenüber sitzt. „Ich habe das Gefühl, Gott bestraft mich mit dieser Krankheit. Aber wofür? Was habe ich getan, dass es mir so elend geht?“
So sind wir Menschen wohl gestrickt. Wir suchen nach Gründen für das, was uns widerfährt. Wenn es uns gut geht, haben wir alles richtig gemacht. Und wenn es uns schlecht geht, sind wir selbst schuld. Das ist logisch.
Und zu dieser menschlichen Logik scheint es zu passen, wenn der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt: Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Gottes (2 Kor 5,10). Also auch am Ende des Lebens gilt: aus Gutem wird Gutes, aus Schlechtem wird Schlechtes – oder nicht?
Es gehört zu den großen Verdiensten Martin Luthers, dass er diese Logik durchbrochen hat. Denn, was wir Menschen uns so denken, gilt noch lange nicht für Gott. Gott hat einen anderen Sinn für Gerechtigkeit. Was wir tun, findet Gott nicht immer gut. Aber das berührt seine Liebe zu uns nicht.
Und wenn wir vor Gottes Richterstuhl stehen, dann bleibt zwar nichts aus unserem Leben verborgen. Trotzdem bekommen wir keine Strafen aufgebrummt. Stattdessen macht uns Gottes Liebe gerecht und frei. Das ist am Ende des Lebens so, aber auch mittendrin.
Krankheiten sind also keine Strafe Gottes. Sie gehören zum Menschsein dazu – leider! Gott aber liebt uns. Und wer einen andere liebt, wünscht ihr oder ihm vor allem ganz viel Gutes. Und er bleibt bei ihm, wenn es schwer wird. Gott hält unsere Sorgen und Schmerzen mit uns aus.
Er lässt uns nicht allein, egal wo wir sind. Logisch ist das für uns vielleicht nicht, aber wunderbar tröstlich.