Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL

Jessica Kind, Religionspädagogin und Sozialpädagogin im Anerkennungsjahr, ist seit Anfang september Mitarbeiterin in der Tageswohnung für wohnungslose Menschen in Burgdorf. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Nobody is perfect, aber bei Gott können wir es werden . . .

Von Religions- und Sozisalpädagogin Jessica Kind

"Sie wissen ja, wie ich heiße!", bekomme ich als begeisterte Erwiderung auf meine Begrüßung. Ja, es ist schön, wenn wir erkannt und mit Namen angesprochen werden. Wir sind nicht mehr anonym.
Mit einem Namen wird Persönlichkeit und Würde verbunden. Nun gut, ein Name allein macht mich als Person nicht einzigartig. Es gibt auf der Welt noch mehr Menschen mit demselben Namen. In meiner kleinen Welt in Burgdorf, in der Tageswohnung für wohnungslose Menschen, bin ich aber zur Zeit die einzige Jessica.
Einzigartig, einzig-artig, . . . ob artig dahinter immer passt? Manches Mal ist es nämlich doch angenehmer in der Anonymität unterzugehen. Die Konsequenzen für mein Reden und Handeln verschwinden leicht in der Masse und lassen sich nicht zu mir allein zurückverfolgen.
Namenlos bin ich nicht so schnell auffindbar. Nicknames im Internet oder Spitznamen auf der Straße - wer meinen richtigen Namen nicht kennt, kann mich nicht zur Rechenschaft ziehen. Ich muss keine Strafen fürchten.
Bei Gott habe ich dagegen immer einen Namen - sogar einen einzigartigen. Er kennt mich. Mit allen meinen Fehlern. Trotzdem kann ich mich von seiner Gnade getragen wissen.
Gott verlangt keine Vollkommenheit von mir. Durch seine Gnade, der ich mich anvertrauen kann, kann ich aber vollkommen werden. Die Lehre Martin Luthers weist uns darauf hin. Er sagte: "simul iustus et peccator" - wir sind Sünder und Gerechtfertigte zugleich vor Gott. Nobody is perfect, aber bei Gott können wir es werden.