Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Susanne Paul ist Pastorin der Martin-Luther-Kirchengemeinde Ehlershausen. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

„Danken“ kommt von „Denken“

Von Pastorin Susanne Paul

„Nun gib mal schön die Hand und sag ‚Danke!‘ “ Als Kind hab ich diesen Satz oft gehört und als Mutter dann auch selbst gesagt.
Ordentlich „Danke“-sagen zu können, das gehört zum allgemeinen Benimm-Kanon dazu. Auch wenn es manchmal schwierig ist mit dem Danken: wenn ich für ein Geschenk „Danke!“ sagen soll, obwohl ich es gar nicht mag oder überhaupt nicht wollte. Oder wenn mir herablassend „Danke!“ gesagt wird oder ich spüre, dass der Dank zwar höflich, aber nicht ehrlich gemeint ist.
„Gott sei Dank“ sage ich manchmal, ohne nachzudenken: wenn ich meinen Schlüssel endlich wiederfinde oder der Kuchen doch nicht angebrannt ist. Aber „Danke!“ sagen ist doch eigentlich viel mehr eine Lebenshaltung als die Frage nach dem guten Benehmen.
Wenn ich „Danke!“ sage, dann akzeptiere ich meine Abhängigkeit: von Menschen, die mich unterstützen, von Umständen, die für mich günstig sind. Ich lebe dankbar in dem Bewusstsein, dass viele Dinge, die mich in meinem Leben tragen, Geschenke sind:
die Liebe zu meinem Mann und meinen Kindern zum Beispiel. Klar kann ich etwas dafür tun, dass es uns gut miteinander geht. Aber dass sie da sind, leben und Leben mit mir teilen: Das habe ich mir nicht selbst verdient, das habe ich geschenkt bekommen.
Und die Freude darüber wird Lebensfreude, die ich wieder mit anderen teilen kann und – Sie ahnen es – die dankbar macht.
Am morgigen Sonntag ist Erntedankfest – eine gute Gelegenheit, über den Zusammenhang von Nicht-Selbstverständlichem, Dank und Lebensfreude nachzudenken, finden Sie nicht auch?