Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Sophie Anca ist Pastorin in der evangelisch-lutherischen Markusgemeinde Lehrte. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Sommergärten . . .

Von Pastorin Sophie Anca

Es sind Oasen mitten unter uns. Oft vermute ich sie gar nicht hinter den Häuserfassaden. Doch wenn ich bei einem Spaziergang einen Blick hinter die Zäune werfe, entdecke ich hier und da ein kleines Paradies: blühende Gärten, Orte zum Durchatmen.
In der Bibel werden wir Menschen selber immer wieder mit einem Garten verglichen. Im Alten Testament schreibt der Prophet Jesaja: „Wenn du in deiner Mitte niemanden unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann [...] wirst [du] sein, wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, die nie versiegt.“
Es sind paradiesische Bilder, die Jesaja hier malt. Übersetzt heißt Paradies ja auch: „umfriedeter Garten“. Also ein Ort, an dem ich geschützt wachsen kann. Und doch ist für Jesaja klar: Das Paradies ist kein Ort, an dem ich mein Glück für mich allein genieße.
Wer innerlich wächst und gedeiht, der öffnet sich auch nach außen, der bringt Früchte. Mein Paradies ist keines, wenn ich die anderen Menschen aus dem Blick verliere.
Für Jesaja ist es selbstverständlich, dass ich mich aus dem Glauben, aus meiner inneren Kraft heraus, um die kümmere, die meine Hilfe brauchen. Mein Blick hinein in die Sommergärten hat mich an diese alte Prophezeiung Jesajas erinnert: Wer sich seinen Mitmenschen zuwendet, der wird selber sein „wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, die nie versiegt“. Nicht, weil er dann belohnt wird, sondern weil er so lebt, wie er von Gott gedacht ist.
Umso mehr genieße ich jetzt all die schönen Gärten mitten unter uns.