Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Der Weg zwischen Jericho und Jerusalem gehört zur judäischen Wüste und bietet eine bizarre Landschaft aus Felsen und Steinen. Wer diesen Weg auf sich nimmt, muss in jedem Fall genügend Wasserreserven bei sich haben. Der Höhenunterschied zwischen Jericho und Jerusalem beträgt etwa 1.000 Meter. Diese Gegend wählt Jesus für seine Beispielgeschichte. (Foto: Siegfried Seidler/privat)

Der Barmherzige Samariter - „Handle genauso!“

Von Gemeindereferent Stefan Horn

In der Leseordnung der katholischen Kirche ist an diesem Wochenende aus dem Lukasevangelium die Beispielgeschichte vom „Barmherzigen Samariter“ (Lk 10,25-37) vorgesehen. Sie zählt zu den bekanntesten Bibeltexten. Organisationen und Gruppen benennen sich danach.
Die Landschaft, auf dem Weg zwischen Jerusalem und Jericho trägt zur Steigerung der Dramatik bei. Hier halbtot, ausgeraubt liegen gelassen zu werden wirft auf die drei vorbeikommenden Handlungsträger ein besonderes Licht.
Wenn ich das Evangelium lese fällt mir am Anfang der namenlose Toragelehrte auf – vielleicht ein Schüler Jesu wie wir alle – er stellt die Frage, wie man das ewige Leben gewinnen kann und Jesus antwortet mit einer Gegenfrage.
Im zweiten Teil das gleiche Muster, Frage und Gegenfrage (vgl. LK 10,29). Zweimal wird von dem Gelehrten die richtige Antwort gegeben und Jesus sagt: „Dann handle genauso“.
Lukas verbindet hier Gottes- und Nächstenliebe. Die richtige Erkenntnis führt durch deren Umsetzung zum Leben. Das ewige Leben ist dabei nicht der Lohn, sondern das richtige Handeln ist Antwort auf die Heilszusage Jesu.
Mit dem Beispiel des barmherzigen Samariters wird auf die Gefahr hingewiesen, dass eine fromme Feier als Ausdruck der Gottesliebe zu wenig ist. Der Fremde (= Samariter) lebt das, was eigentlich der fromme Israelit tun müsste. Somit gehört er zur Gemeinde, die den „neuen Weg“ des Lebens aus dem Geiste Jesu geht. Also: „Handle genauso!“