Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

War gerade in einem Land unterwegs, wo Personal für service kein Problem zu sein scheint: Pastorin Damaris Frehrking aus Sehnde. (Foto: Fam. Frehrking/privat)

Alles hat seinen Preis – Gedanken zum Tag der Arbeit

Von Pastorin Damaris Frehrking, Sehnde

Ich war gerade in einem Land auf Reisen, da arbeiteten so viele! Am Flughafen. In den Cafés. Überall so viel Personal! Was dort zwei machen, würde bei uns längst einer machen oder auch – keiner, so dachte ich.
Der Tag der Arbeit fragt nach dem Wert der Arbeit. Arbeit soll billig sein, darum wird die Produktion in Billiglohnländer ausgelagert oder Menschen aus Billiglohnländern kommen zu uns. Im Wettbewerb gewinnt nur, wer das Produkt zu Niedrigpreisen anbieten kann. Die TTIP Kritiker befürchten, dass mit dem umstrittenen Handelsabkommen wieder nur die gewinnen, die längst überall die Preise verdorben haben.
Darf Arbeit nur nach Wirtschaftlichkeit gemessen werden? Ich glaube, Arbeit ist ein Wert an sich. Um zufrieden zu sein, braucht der Mensch Betätigung und Wertschätzung. Der soziale Friede hängt davon ab, ob Menschen auch mit geringer Qualifikation eine aktive Rolle in der Gesellschaft finden.
Wir bestimmen mit unserem Einkauf, ob Arbeit an sich, Integration, Umweltschutz und Gesundheit, einen Preis haben darf. Überall wo Menschen nicht bereit sind, den Preis zu zahlen den die Dinge wert sind, werden sie am Ende einen viel höheren Preis zahlen, der längst spürbar ist.
Schon Jesus erzählt ein Gleichnis, in dem alle Tagelöhner genug zum Leben bekommen, auch wenn nicht alle gleich effizient arbeiten. Wir brauchen eine Debatte nicht nur über faire Löhne, sondern auch darüber, was der Mensch wirklich zum Leben braucht. Das Gleichnis stellt vor allem die an den Pranger, die nicht genug kriegen können.