Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Holger Hornbostel ist Diakon und Sozialarbeiter in der Tageswohnung für Wohnungslose in Burgdorf. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Was kann aus Nazareth Gutes kommen?

Von Diakon und Sozialarbeiter Holger Hornbostel

Manchmal sind wir skeptisch. Diese Skepsis ist manchmal angebracht, zum Beispiel beim Einkaufen. Ist das Fleisch auch frisch, ist das Gemüse noch knackig? Bei wertvolleren Anschaffungen prüfen wir die Qualität genau. Eine Prüfung der Ware macht hier Sinn.
Anders gehen wir oft bei Menschen vor: Wir verzichten auf das genaue Hinschauen, wir begegnen ihnen sofort ohne Prüfung ablehnend und mit Vorurteilen. Schubladendenken nennen wir das.
So kursieren derzeit Gerüchte wie: Ein Supermarkt einer großen Kette musste schließen weil Flüchtlinge zu viel gestohlen haben (Es ist tatsächlich ein Gerücht und gelogen). Es wird aber gefolgert: Alle Flüchtlinge sind Diebe.
Es reicht uns, zu wissen, wo jemand herkommt oder von wem er abstammt. Solch eine Situation beschreibt die Bibel im Johannesevangelium. „Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann aus Nazareth Gutes kommen!“.
Nathanael reicht es aus, die Herkunft zu kennen und meint zu wissen, wie er Jesus einordnen soll. Nathanael fällt für sich sofort ein negatives Urteil: Nazareth, die Leben doch hinter dem Mond. Und Nazareth können wir heute ersetzen durch: Syrien, Tunesien, Irak.
Wir benutzen auch oft Sätze wie: Was kann aus Nazareth Gutes kommen. Vorurteile kehren wieder in Aussagen wie: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!“ Menschen werden abgelehnt wegen ihrer Herkunft, wegen ihres Glaubens, wegen ihrer Hautfarbe oder weil sie verleumdet worden sind.
Philippus fordert Nathanael auf: „Komm und sieh“. Das bedeutet: Bevor du so ein abfälliges Urteil fällst, schau dir erst einmal an wer dieser Jesus ist, und war er dir bedeuten kann. rede doch mit ihm bevor du so schnell mit einem Urteil bei der Hand bist.
Die Qualitäten und Gesinnung eines Menschen können wir nur messen wenn wir uns persönlich von dem anderen überzeugen. Nathanael lässt sich im Folgenden auf ein Gespräch mit Jesus ein und stellt fest: „Rabbi du bist Gottes Sohn, du bist König von Israel.“ Die Offenheit des Nathanael ändert seine Einstellung, beseitigt Vorurteile.
Begegnungen mit Menschen machen uns reicher, wir gewinnen neue Sichtweisen für unser eigenes Leben. Menschen sind einzigartig, deshalb kann es keine Pauschalurteile geben. „Komm und sieh“ ist eine Einladung an uns alle. Sie fördert den Frieden zwischen den sozialen Gruppen. Und Frieden dient dem Wohlergehen aller.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesundes Maß an Skepsis und Offenheit für Neues.

Holger Hornbostel,
Diakon und Sozialarbeiter in der Tageswohnung für Wohnungslose in Burgdorf