„Röschen“ outet sich beim Festakt als einstmals rebellische Schülerin . . .

Schulleiterin Silke Brandes (links) und Bürgermeister Klaus Sidortschuk begrüßten Bundesministerin Ursula von der Leyen als Festrednerin. (Foto: Horst-Dieter Brand)
 
Schule vor 100 Jahren: Szenisch demonstrierten Schüler Zeiten, als noch der Rohstock regierte. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Gymnasium Lehrte feiert 100. Geburtstag mit Ehrung auch für Wolgang Meine

LEHRTE (hdb). Ein 100. Geburtstag, 320 geladene Gäste beim Festakt, 111 Abiturienten, 19 von ihnen mit einer Eins vor dem Komma, 131 Rosen: Hinter diesen nüchternen Zahlen verbirgt sich eine turbulente Jubiläumswoche des Gymnasiums Lehrte. Besonderer Höhepunkt (beileibe aber nicht der einzige) war die Festansprache von Bundesministerin Ursula von der Leyen.
Die CDU-Politikerin hatte von 1971 bis 1976 das Lehrter Gymnasium besucht und dort ihre Reifeprüfung abgelegt. In ihrer 20-minütigen Ansprache kramte die Mutter von sieben Kindern - als solche „in 92 Schuljahren und 184 Schulzeugnissen“ kampferprobt in Sachen mehrerer Schulreformen – in launigen Erinnerungen über Hausmeister und ihre Kioske, Lehrer und ihre Macken oder selbst genehmigte Freistunden im Café Isensee.
„Wir fanden uns überhaupt in einem dauerrevolutionären Zustand“, räumte von der Leyen eine damals allgemeine Protesthaltung ein, wenn statt Goethe und Schiller als Unterrichtsstoff „Arbeiterliteratur“ und ein Raucherzimmer für Schüler gefordert oder die Bundesjugendspiele als „Ausdruck der Leistungsgesellschaft“ boykottiert wurden. Dennoch sei sie „gern auf diese Schule gegangen“, auch wenn sie den Ganztagsbetrieb ihrer ersten Schuljahre an der „Ecole européenne“ in Brüssel gewohnt war.
Im Vergleich der beiden Systeme legte die Ministerin ein klares Bekenntnis zur Ganztagsschule ab, weil es „mehr Lernangebote gibt, und sie entlasten die Familien“. Mittlerweile habe sich aber in Deutschland - und somit auch am Lehrter Gymnasium - viel zum Positiven verändert.
„Röschen“, wie sie mit ihrem früheren Spitznamen und mit Anspielung auf Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ von Schulleiterin Silke Brandes begrüßt wurde, fasste schließlich als Fazit zum andauernden Streit „über die richtige Schulpolitik“ zusammen: „Im Grunde wollen wir doch alle nur eines: dass unsere Kinder in Ruhe in gut ausgestatteten Schulen lernen und von gut ausgebildeten und motivierten Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden, damit sie ihr Leben in die eigene Hand nehmen können“.
“Blitzlichtartig“ hatte zuvor Schulleiterin Silke Brandes die schulische und gesellschaftspolitische Entwicklung der vergangenen 100 Jahre Revue passieren lassen - und war sich sogar nicht zu schade für die gesangliche Mitwirkung an einem Rap über die fragwürdige These „Früher war alles besser“. Brandes, die dazu aufrief, über Werte zu sprechen und respektvoll miteinander umzugehen, begrüßte in der illustren Schar der Geburtstagsgäste Bundes- und Landtagsabgeordnete, den Regionspräsidenten Hauke Jagau und Bürgermeister Klaus Sidortschuk.
Dieser lobte „den guten Ruf des Gymnasiums über die Stadt hinaus“ und legte sich fest: „Die Stadt als Schulträger wird auch in Zukunft für den Bestand des Gymnasiums einstehen“. Dafür erhielt Sidortschuk demonstrativen Beifall.
Den sicherten sich auch Gesangs- und Instrumentalgruppen, die den Festakt musikalisch auflockerten. Besonders herzlichen Applaus erhielt der ehemalige Schulleiter Wolfgang Meine. Für seine Verdienste zwischen 1989 und 2009 - also über einen Zeitraum von 20 Jahren - überreichten dem sichtlich bewegten Pädagogen 20 Schülerinnen und Schüler je eine rote Rose.
Nachdem zum Finale des Festaktes die Big Band unter Ane Kristin Holmer mit „Brasil“ den akustischen Schlusspunkt gesetzt hatte, zog es die Festgäste zum historischen Stammhaus in der Friedrichstraße, wo sich ein Imbiss und eine große Schul-Party anschlossen.