Räuber und Gendarm auf dem Einrad

Mit ihrer Show "Der geheimnisvolle Gruppe" ist die Einradgruppe "Uni Motion" beim Feuerwerk der Turnkunst aufgetreten. (Foto: privat)
 
Die Gruppe "Uni Motion" trainiert jeden Freitag in der kleinen Turnhalle der Astrid-Lindgren-Grundschule.

Die Eindradgruppe „Uni Motion“ vom Heeßeler SV tritt beim Feuerwerk der Turnkunst in Göttingen auf

BURGDORF (fh). Die Einradgruppe „Uni Motion“ ist bei den Landesmeisterschaften ausgeschieden – doch die Mädchen vom Heeßeler SV haben bei dem Wettbewerb anscheinend einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn zwei Wochen später bekamen die Trainerinnen Anna-Maria Koke und Luise Glinski einen unverhofften Anruf: Die Jury lud das Team dazu ein, beim Feuerwerk der Turnkunst in Göttingen als Vorgruppe aufzutreten. „Wir waren ziemlich aufgeregt, irgendwie noch anders als bei den Meisterschaften“, gibt Nina zu. Denn so ein großes Publikum wie im Januar in der Göttinger Lokhalle hätten sie vorher noch nie gehabt: „Wir wollten den 6000 Zuschauern unbedingt zeigen, was wir können.“
In ihrer Show „Der geheimnisvolle Koffer“ machen die Mädchen beispielsweise eine Handstandpyramide, springen mit dem Einrad Seil und bewegen sich mit dem sogenannten „Wheel Walk“ fort. Dabei drehen sie den Reifen direkt mit den Füßen, anstatt die Pedale zu benutzen. „Zum Ende hin wird es immer schwieriger und spektakulärer“, beschreibt die Trainerin Anna-Maria Koke.
Die Show ist nicht einfach eine Abfolge von Kunststücke, sondern zugleich eine unterhaltsame Gaunerkomödie: Vier Polizistinnen jagen fünf Verbrecherinnen, die einen geheimnisvollen Koffer geklaut haben. Mit viel Liebe zum Detail haben die Mädchen dafür Kostüme entworfen: Polizeimützen und blaue Lämpchen an den Speichen für die einen, schwarz-weiß gestreifte T-Shirts, schwarze Mützen und zerrissene Netzstrumpfhosen für die anderen. Die erste Version der Show ist schon vor rund drei Jahren entstanden. „Seitdem haben wir immer weiter daran gepfeilt und neue Kunststücke eingebaut“, sagt Koke.
Dabei hätten sie viel herumexperimentiert und versucht, das Training möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Die 15-jährige Tabea beschreibt: „Mal trainieren wir frei, mal üben wir eine Stunde lang intensiv ein bestimmtes Kunststück und mal machen wir einfach Spiele auf dem Einrad wie zum Beispiel Hockey.“ Bei allem Ehrgeiz stehe der Spaß immer im Vordergrund. „Zu Beginn des Trainings quatschen wir oft erstmal fünf bis zehn Minuten“, sagt Tabea. „Manchmal auch länger“, fügt Nina hinzu und bekommt von Tabea dafür einen freundschaftlichen Stoß mit dem Ellenbogen.
Vor dem Auftritt beim Feuerwerk der Turnkunst hätten sie aber sehr diszipliniert trainiert, ebenso wie vor Meisterschaften. „Da haben wir uns oft zwei oder drei Mal in der Woche getroffen“, sagt Koke. Das war ein straffes Programm für die 26-jährige Trainerin, die in Hannover Bautechnik auf Berufsschullehramt studiert und nebenbei schon vier Wochenstunden an einer Schule in Celle unterrichtet hat. „Es war manchmal anstrengend, das alles unter einen Hut zu bekommen. Aber mit der Gruppe macht es soviel Spaß, dass ich mich immer auf das Training gefreut habe, selbst wenn ich dann die Wochenenden durcharbeiten musste.“ Sie will auch Trainerin bleiben, wenn sie im November ihr Referendariat beginnt. „Ich bin froh, dass ich einen Platz in der Nähe gefunden habe. Denn die Gruppe ist mir wirklich ans Herz gewachsen.“