Radfahrgalerie lädt zur Ausstellung „Frauen – Fahrräder – Freiheit“ ein

Die Schau lädt zu einer Begegnung mit zahlreichen historischen Damenfahrrädern aus der Zeit von 1885 bis 1993 ein. (Foto: VVV)

Führung mit Walter Euhus durch die Ausstellung am 3. April

BURGDORF (r/jk). „Haben Sie jemals etwas Abstoßenderes, etwas Häßlicheres, etwas Gemeineres gesehen, als ein mit putherrotem Gesicht, vom Staube entzündeten Augen und keuchenden Lungen auf dem Zweirade dahinrasendes Frauenzimmer?!“ An Zeiten, in denen solche zynischen Kommentare an der Tagesordnung waren und eine Fahrrad fahrende Frau zu den Randerscheinungen im Straßenbild gehörte, erinnert die neue Ausstellung der Radfahrgalerie Burgdorf „Frauen – Fahrräder – Freiheit“. Zu ihrer Eröffnung erschienen zahlreiche Gäste in der KulturWerkStadt (Poststraße 2).
Gastgeber sind der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt. Fördernde Unterstützung leistete die Hannoversche Volksbank. Die Schau lädt zu einer Begegnung mit zahlreichen historischen Damenfahrrädern aus der Zeit von 1885 bis 1993 ein. Gleichzeitig wirft sie interessante Schlaglichter auf die Emanzipation des weiblichen Geschlechts auf dem Fahrrad, deren Durchsetzung sich im Rahmen des Kampfes um die gesellschaftliche Gleichberechtigung abspielte.
Eckhard Paga, Filialdirektor der Hannoverschen Volksbank, übernahm die Begrüßung der Eröffnungsgäste. Walter Euhus, Leiter der Radfahrgalerie Burgdorf, führte in die Ausstellung ein. Teilweise wüste Beschimpfungen oder spöttische Kommentare mussten sich Frauen lange Zeit gefallen lassen, wenn sie es wagten, gegen die von Männern bestimmten gesellschaftlichen Konventionen zu verstoßen und sich auf einem Drahtesel in der Öffentlichkeit zu zeigen. Euhus führte diverse Begründungen aus der Zeit des 19. Jahrhunderts an, die mit oft absurden pseudowissenschaftlichen oder scheinheiligen moralischen Argumenten Frauen vom Fahrrad fahren abhalten wollten.
Er zitierte einen längeren Bericht des Hannoverschen Anzeigers aus dem Jahr 1896. In dem Artikel beschreibt der damals als Journalist tätige Heimatdichter Hermann Löns unter dem Titel „Die Radfahrschule Bellavista“ sehr anschaulich, wie die ersten Frauen auf Fahrrädern den gleichnamigen Landschaftspark in der Nähe des heutigen Maschsees bevölkerten. Bürgermeister Alfred Baxmann rief in seinem Beitrag in Erinnerung, dass das Fahrrad ein wichtiger Faktor war, um Frauen den Weg zu einer selbstbestimmten Mobilität zu ermöglichen, ohne die die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erheblich eingeschränkt gewesen wäre.
Am Sonntag, 3. April, besteht die Gelegenheit, mit dem Leiter der Radfahrgalerie Burgdorf, Walter Euhus, zu einem Rundgang durch die Ausstellung aufzubrechen. Dabei gibt es wissenswerte Hintergrundinformationen aus erster Hand von dem Experten für historische Fahrräder. Die kostenfreie Führung beginnt um 15.00 Uhr. Walter Euhus stellt die konstruktionstechnischen Eigenheiten der präsentierten Frauen-Fahrräder vor, die aus Deutschland, Schweden, Italien und Japan stammen. Dabei zeigt er auf, wie sich die Fahrradindustrie vor dem Hintergrund einer immer größer werden weiblichen Käuferschicht spezielle Zweiradkonstruktionen für Frauen entwickelte. Die Führungsteilnehmer erhalten einen Einblick in das große Spektrum der dabei entstandenen Fahrradmodelle.