Propst Martin Tenge zu Ostern 2017

Propst Martin Tenge ist oberster Katholik in Stadt und Region Hannover. (Foto: Kath. Kirche Region Hannover)

Die Botschaft von Ostern: Das Leben ist stärker als der Tod

REGION HANNOVER. Angesichts der Osterfeiertage und der Bedrohung durch Terror und Spaltung unserer Gesellschaft ruft Propst Martin Tenge als oberster Katholik in Stadt und Region Hannover dazu auf, den Aufstand gegen Terror und Tod zu wagen:
"Das Osterfest ist das wichtigste Fest des ganzen Jahres für Christen: Jesus Christus wird zum Tod verurteilt, leidet, stirbt am Kreuz und steht am Dritten Tage von den Toten auf. Damit wird uns Menschen die Hoffnung geschenkt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Die Hoffnung, dass unser eigenes Leben einen bleibenden Charakter hat und auch unsere menschlichen Beziehungen nicht einfach mit dem Tod enden, sondern in Ewigkeit weiter bestehen.
Wir leben in keiner heilen Welt
Wir leben in keiner heilen Welt. Die Anschläge am Palmsonntag in Ägypten gegen unsere koptischen Brüder und Schwestern mit vielen Toten konfrontieren uns mit der Wirklichkeit des Todes. Von irgendwoher kommt ungeahnt und plötzlich eine von einem Fanatiker geworfene Bombe. Oder wie in Stockholm ein gestohlener Lastkraftwagen.
Unsere vermeintliche Sicherheit in unserer verlässlichen Demokratie kommt ins Wanken. Terror und Tod erzeugen Angst. Wem kann man noch trauen? Wer ist schuld? Wie können wir uns vor dem vermeintlich „Fremden“ schützen?
Terroristen wollen bekämpft werden. Denn weil wir sie schlecht zu fassen bekommen, werden ganze Gruppen unserer Gesellschaft unter Generalverdacht gestellt. Das destabilisiert. Und so nutzen die Terroristen sogar unsere Staatsgewalt indirekt für ihren Zweck: Verunsicherung erzeugen.
Eine Welt ohne Religion hat noch nicht einmal die Kraft, Terror und Tod eine Hoffnung und eine Orientierung entgegen zu setzen
In Stockholm ist angesichts dieses Terrors etwas Bewundernswertes geschehen: Abertausende Menschen, Fremde, umarmen sich. Sie weinen zusammen und zeigen, dass sie sich nicht von Terror destabilisieren lassen. Ich wünsche mir diese Umarmung von Christen, Muslimen, Juden, Humanisten, Atheisten – auch unter Tränen. Menschen dürfen nicht wegen ihrer Herkunftsländer, Religion oder Weltanschauung pauschal verurteilt werden.
Ja, es gibt Menschen, die verblendet sind von islamistischen oder anderen menschenverachtenden Ideologien. Es gibt auch Christen, die Verbrechen begehen. Und Humanisten, die andere Menschen schädigen. Jede Religion und Weltanschauung kann missbraucht werden.
Aber eine Welt ohne Religion oder Humanismus hat noch nicht einmal die Kraft, dem Terror und dem Tod eine Hoffnung und eine Orientierung entgegen zu setzen.
Auferstehung heute: Sich nicht einlullen lassen
Die Menschen in Stockholm haben sich aufgerafft vom heimischen Sofa. Das ist die Auferstehung von heute: Sich selbst zum Aufstand gegen den Tod erheben und sich nicht einlullen lassen von der Mentalität des „Ich-kann-ja-doch-nichts-ändern“. Wir müssen gegen den Tod aufstehen und ihm nicht das letzte Wort lassen.
Ostern verspricht, dass trotz aller brutaler Macht des Hasses das Leben stärker ist als der Tod. Jesus selbst ist gegen den Tod aufgestanden. Er ermutigt uns, den Aufstand zu wagen."


„Ostern schenkt uns Menschen die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat“, sagt er. Auch wenn Religionen von islamistischen oder anderen menschenverachtenden Ideologien missbraucht werden würden, seien sie zugleich die Quelle des Widerstandes gegen den Terrorismus. „Eine Welt ohne Religion oder Humanismus hat noch nicht einmal die Kraft, Terror und Tod eine Hoffnung und eine Orientierung entgegen zu setzen“, sagt er. Es sei notwendig, dass die Menschen sich zum Aufstand gegen den Tod erheben. „Das ist die Auferstehung von heute: Sich nicht einlullen lassen von der Mentalität des ‚Ich-kann-ja-doch-nichts-ändern‘“, sagt Propst Tenge. Die Botschaft von Ostern sei es, dass das Leben stärker sei als der Tod. Darum sollten Menschen aller Religionen und Weltanschauungen zusammen kommen – auch unter Tränen.