Premiere für den neuen „Talk im Kreis“

Der erste BMGH-„Talk im Kreis“ um Moderator Matthias Rickel (Mi.) diskutierte mit Claudia Meißner (CDU) und Burgdorfs Gleichstellungsbeauftragten Petra Pape, mit Ministerin Aygül Özkan, Detlef Knauer (Bündnis `90/Grüne), Johnny B.-Leiter Horst Gohla sowie mit Matthias Paul (v.li.) über nachhaltige Integration. (Foto: Georg Bosse)

Integration braucht noch mehr „Brückenbauer“ und Vorbilder

BURGDORF (gb). Im Themenjahr „Burgdorf International“ hat sich das Burgdorfer Mehrgenerationenhaus (BMGH) mit seiner Koordinatorin Ursula Wieker dem Schwerpunkt „Integration“ gewidmet. Am Tag, als eine Gruppe der BMGH-„Begrüßungsmentoren“ für fremdsprachige Neubürger auf Einladung von Caren Marks (MdB/SPD) im Deutschen Bundestag in Berlin weilte, hatte die neue Veranstaltungsreihe „Talk im Kreis“ im Burgdorfer Jugendkulturzentrum Johnny B. ihre Premiere. Prominenter Gast des ersten Talkkreises „Integration – über Generationen hinweg – nachhaltig gestalten“ war die niedersächsische CDU-Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan.
Nachdem die Mitorganisatorin des neuen Gesprächskreises, CDU-Ratsfrau Gurbet Birgin, die gut 80 Zuhörer, darunter der Lehrter Landtagsabgeordnete Hans-Joachim Deneke-Jöhrens und Burgdorfs stellvertretende Bürgermeisterin Christa Weilert-Penk (SPD), begrüßt hatte, setzte Aygül Özkan zu ihrem „Impulsreferat“ an. Man sei in den vergangenen zwei Jahren in Sachen „Integration“ gut vorangekommen. „Dennoch besteht bei 17 Prozent der niedersächsischen Bevölkerung mit fremdländischen Wurzeln immer noch ein Defizit bei der Teilhabe an Bildung, Arbeit und gesellschaftlichem Leben“, sagte die Ministerin. Zwar hätten die in Deutschland geborenen Nachkommen der früheren Immigranten ihre Eltern beim Bildungsstandard schon häufig überholt, aber es brauche an „Brückenbauern“ und Vorbildern in der Polizei sowie bei Erzieher/innen und Lehrer/innen. Schul- und Berufsausbildung dürfe „nicht dem Zufall überlassen werden“, so Aygül Özkan. Darüber hinaus wünscht sich die Landespolitikerin eher eine ehrliche Anerkennungs- statt nur eine Willkommenskultur: „Viele Schul- und Berufsabschlüsse aus den Herkunftsländern werden hier nicht anerkannt, sodass zahlreiche Menschen in ihrem erlernten Arbeitsbereich nicht tätig sein können. Das ist Verschwendung von Potenzial.“ Allerdings ist Integration keine Einbahnstraße. Grundlage jedweder Einbindung ins alltägliche gesellschaftliche Leben ist, die Eltern zu fördern sowie ihre Kinder zu stärken, Deutsch zu lernen und auch anzuwenden.
In der anschließenden Gesprächsrunde am runden Tisch, die von Matthias Rickel moderiert wurde, warnte Pastor Matthias Paul von der südstädtischen, Evangelisch-lutherischen St. Paulus-Kirchengemeinde vor der spürbar zunehmenden Armut, die bald zu einem noch größeren Problem als die Integration werden könnte.
In lockerer Reihenfolge sollen künftig inhaltliche Schwerpunkte des BMGH mit betroffenen Burgdorfer Bürgern und Experten öffentlich diskutiert werden.