Otze leidet unter dem Bahnverkehr

Die 24-Stunden-Messung in Otze im Oktober ergab hohe Lärmwerte. (Foto: Dana Noll)
 
Dr. Hendrik Hoppenstedt (Mitte) brachte Informationen aus den Fraktionen und den zuständigen Gremien und Ausschüssen des Bundestages als Diskussionsgrundlage zum Treffen mit BIOS. (Foto: Dana Noll)

Bundestagsabgeordneter Dr. Hendrik Hoppenstedt mit BIOS im Gespräch

OTZE/BURGDORF (dno). 215 Züge am Tag, davon 139 Güterzüge und 76 S-Bahnen rauschten am 5. Oktober diesen Jahres durch Otze – in der Spitzenzeit zwischen 11 Uhr und 12 Uhr waren es allein 16 Züge! Das bewirkte Schrankenschließzeiten von insgesamt 5 Stunden und 20 Minuten. Die Züge erreichten einen Lärm-Spitzenpegel von 98,4 Dezibel. Das ergab eine Messung im Rahmen der Aktion „Wir zählen selbst“, die von der Bürgerinitiative Otze Schiene (BIOS) vor etwa sieben Wochen durchgeführt wurde.
Eine hohe Lärmimmission, lange Schrankenschließzeiten, die Zerschneidung der Ortschaft und natürlich der Blick in die Zukunft, der einen wachsenden Güterverkehr prophezeit, lassen die Bürger in Otze und den angrenzenden Ortschaften unruhig werden.
Zu einem Treffen im Altenteilerhaus in Otze lud die Bürgerinitiative BIOS den Bundestagsabgeordneten Dr. Hendrik Hoppenstedt ein, um sich über den Stand der Diskussionen und Verhandlungen in den Fraktionen und den zuständigen Gremien und Ausschüssen des Bundestages zu erkundigen. Der Bürgermeister der Stadt Burgdorf, Alfred Baxmann, sowie Jan-Hinrich Brinkmann, Vertreter der Stadt Burgdorf im Projektbeirat, gaben einen Überblick über die Sachlage. Die Ortsbürgermeister/innen von Otze und Ramlingen-Ehlershausen sowie Vertreter der Bürgerinitiative StARK beteiligten sich ebenfalls an der Diskussion.
„Wir haben starke Unterstützung und Partner in Otze und den anderen Ortschaften, wir brauchen auch Unterstützung in den politischen Gremien und müssen die Vernetzung ausweiten. Und wir erhoffen uns durch dieses Treffen vor allem Informationen“, so Manfred Kuchenbecker, Sprecher BIOS. Diese kamen in Form von Fakten und Forderungen durch Jan-Hinrich Brinkmann, Vertreter der Stadt Burgdorf im Projektbeirat. Vollschutz vor Bahnlärm, Verbesserung des Schienenpersonenverkehrs sowie volle Kostenübernahme waren dabei die Hauptanliegen.
Teilerfolge sind, laut Hoppenstedt, diesbezüglich schon erzielt: „Die Y-Trasse ist „begraben“ und im Bereich Lärmregulierung wurde ein Förderprogramm auferlegt.“ Hierbei geht es um die Lärmsanierung und Lärmvorsorge. Mit 50 Prozent Kostenübernahme wird der Güterverkehr bei Umrüstung bezuschusst. Auch das Nutzungsentgelt wird entsprechend angepasst, wer „weniger Lärm macht, zahlt auch weniger“. Bis 2020 sollen so alle Waggons umgerüstet sein – zumindest innerdeutsch. Auch die ausländischen Waggons werden in gleicher Höhe mit Fördermitteln unterstützt – ob es genutzt wird, bleibt fraglich. Eine „EU-Initiative“ sowie die Entgeltverordnung wird dies zukünftig ebenso regeln. Hoppenstedt versprach, „sich weiter einzusetzen“. „Mit Stuttgart 21 haben alle dazu gelernt. Mit den Burgdorfern sollte man sich nicht anlegen“, fügte er augenzwinkernd hinzu. Ob dies bei der Kostenübernahme auch zutrifft, wird sich zeigen. Denn die Frage „Wer zahlt was“ ist noch nicht abschließend geregelt. „Lärmschutz ist wichtig, aber nicht alles, das Thema ist komplex. Die Finanzierung muss durch den Verursacher erfolgen und das ist nicht die Kommune“, so Alfred Baxmann, Bürgermeister der Stadt Burgdorf.
Abschließend wurde von allen Seiten deutlich gemacht, dass es den Initiatoren nicht darum geht, den Schienenverkehr zu verteufeln. „Wir leben in einer modernen Industriegesellschaft. Jeder will die Segnungen haben, aber die Sache bitte nicht vor der eigenen Haustür“, so Baxmann. „Nur Pauschalaussagen wie „ich lehne es grundsätzlich ab“, ohne Argumente zu bringen, unterstützen wir nicht. Wir haben Verständnis dafür, dass der Güterverkehr von der Straße auf die Gleise verlegt wird. Dennoch versuchen wir die Folgen des steigenden Güterverkehrs zu minimieren und in Einklang mit dem Leben im Ort zu bringen“, ergänzte Manfred Kuchenbecker, BIOS.