Öffentliche Toilette auf dem Spittaplatz stand im Fokus

„Was bewegt Menschen mit Handicap?“, wollten Michael Kugel, Alfred Baxmann, Rainer Herbst und Jörg Lahmann (v.l.) von den Betroffenen selbst erfahren. (Foto: Georg Bosse)

Stadt Burgdorf lud zur 4. „Handicap-Runde“ ein

BURGDORF (gb). Zu einer kritischen Aussprache hatte die Stadtverwaltung in der vergangenen Woche Menschen mit Handicap, Vertreter verschiedener Selbsthilfegruppen, Burgdorfer Behinderteneinrichtungen der Lebenshilfe sowie den SoVD und den Seniorenrat in den Ratssaal des Schlosses an den Tisch gebeten. Die 4. „Handicap-Runde“ mit den kommunalpolitischen Verantwortlichen für Soziales und Integration aller Fraktionen setzte sich schwerpunktmäßig mit den Themen „Barrierefreie öffentliche Toilette auf dem Spittaplatz“ und „Neue Radverkehrsführungen“ auseinander.
„Was bewegt Menschen mit Handicap?“ wollten die anwesenden Politiker sowie Bürgermeister Alfred Baxmann, Stadtrat Michael Kugel, Tiefbauamtsleiter Rainer Herbst und der städtische Gebäudemanager, Jörg Lahmann, von den Betroffenen selbst erfahren. Dabei kamen unter anderem der häufig meist durch Vandalismus außer Funktion gesetzte Fahrstuhl im Burgdorfer Bahnhof, die oft fehlende Rücksichtnahme von RegioBusfahrern auf Fahrgäste mit Rollatoren oder im Rollstuhl, das nach den Baumaßnahmen nicht wieder errichtete Wartehäuschen an der Bushaltestelle „Immenser Straße“ sowie die unzureichende Beleuchtung der „Zintener Straße“ zur Sprache. Bezüglich der Klagen über die RegioBusfahrer ob ihrer fehlenden Sensibilität und Unterstützung gegenüber gehandicapten Menschen sei den Betroffenen das kostenlose Training für mobilitätseingeschränkte Personen ans Herz gelegt, dass das Unternehmen einmal jährlich am ZOB Burgdorf anbietet.
Am meisten stößt den Menschen mit Handicap, aber nicht nur denen, das Fehlen einer barrierefreien öffentlichen Toilette auf dem stadtzentralen Spittaplatz auf. Dieser Mangel sollte möglichst schnell abgestellt werden, stand diese grundsätzliche Forderung im Fokus. Dazu Bürgermeister Alfred Baxmann: „Eine entsprechend kurzfristige Investition ist leider nicht möglich, da das infrage kommende Grundstück im Zusammenhang mit dem Amtsgericht noch im Besitz des niedersächsischen Justizministeriums ist. Aber bezüglich der „Möblierung“ des Spittaplatzes werden uns Wolf Büttner für den Seniorenrat, Pastor i.R. Rudolf Bembenneck vom Förderkreis Senioren und VVV/SMB-Geschäftsführer Gerhard Bleich ein Konzept unterbreiten. Darüber hinaus hat der Betreiber des Biergartens die vorhandene Toilettenanlage auch für die auf dem Platz stattfindenden angemeldeten Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen.“
Die neuen Radverkehrsführungen scheinen für Menschen mit Behinderungen (noch) problematisch zu sein. Beanstandet wurden die Schutzstreifen für Radler, die vermeintlich zu schmal seien. Besonders für Menschen, die in ihrer Mobilität auf ein Dreirad angewiesen sind, seien die Schutzstreifen zu eng bemessen. Diesem Hinweis folgte die korrekte Belehrung durch Rainer Herbst, dass die mit unterbrochenen Linien markierten Führungen überfahren werden dürfen, um sich dann umsichtig auf der Fahrbahn fortbewegen zu können.
Politik und Verwaltung haben die Rekommunalisierung der Friedhofspflege in die Wege geleitet. Dazu machte der Werkstattleiter der Lebenshilfe Burgdorf/Peine, Karl-Heinz Röber, einen Vorschlag, den die Stadt im Sinne von Integration und Inklusion (eigentlich) nicht ausschlagen kann: „Wir haben eine Gärtnertruppe, die solche Arbeiten prima erledigt. Bei Bedarf könnte die Stadt doch aus dieser Gruppe einen behinderten Mitarbeiter einstellen, was darüber hinaus auch noch aus dem „Budget für Arbeit“ vom Land Niedersachsen subventioniert werden würde.“ Für die „Möblierung“ der Innenstadt hatte Röber ebenfalls ein Angebot zu machen: „Wir stellen auch Sitzbänke her. Ihre Produktion ist gleichermaßen subventioniert.“