Nicht nur zum Fisch einwickeln und Fenster putzen...

Die Printmedien-Experten Michael Heun und Peter Taubald (v.li.) waren als Referenten zum Thema „Totgesagte leben länger - die Zukunft der Zeitung“ in der Burgdorfer KulturWerkStadt zu Gast. (Foto: Georg Bosse)

Michael Heun und Peter Taubald zur Zukunft der Zeitung

BURGDORF (gb). Vor dem Hintergrund der Ausstellung „Jochen Mellin: Fotograf - Journalist - Mensch“ in der Burgdorfer KulturWerkStadt gaben am vergangenen Sonntag die fachkundigen Experten Michael Heun und Peter Taubald vor gut 30 interessierten Zuhörern ihre Prognosen zur Zukunft der Printmedien ab.
Der Burgdorfer Michael Heun, der seine ersten journalistischen Gehversuche beim „Kreisblatt“ unternahm, war als Chef vom Dienst und als leitender Redakteur bei verschiedenen namhaften Zeitungen und Zeitschriften tätig. Vor nicht einmal einem halben Jahr gründete er das Medienberatungsunternehmen BENGRETA, das Redaktionen und Verlage bei ihrer zukunftsorientierten Positionierung auf dem deutschen Zeitungsmarkt unterstützt. Michael Heun wurde 1995 und 2002 mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis dekoriert.
Der Sorgenser Peter Taubald ist Chefredakteur der „Heimatzeitungen“ der Mediengruppe Madsack und koordiniert die Arbeit von 55 Redakteuren und zahlreichen „Freien“. Ihre anregenden Kurzvorträge hatten die Zukunft gedruckter (Tages-)Zeitungen zum Inhalt - „Totgesagte leben länger“.
Visionäre wie Microsoft-Gründer Bill Gates hätten schon vor Jahrzehnten den „Tod“ von Zeitungen und Zeitschriften prognostiziert, so Heun, der anschließend gute Gründe für die immer noch bestehende Präsenz von Printmedien nannte: „Nicht nur zum Fisch einwickeln und Fenster putzen, eignet sich eine Zeitung hervorragend. Zeitungen sind endliche Lektüre zum Anfassen, die zur Entspannung und Entschleunigung beiträgt und bei ihren Lesern noch immer eine hohe Glaubwürdigkeit besitzt. Es wird mit den Printmedien immer noch sehr viel Geld verdient, obwohl im Laufe der letzten Jahre das Anzeigenaufkommen dramatisch eingebrochen ist.“ In diesem Licht betrachtet, solle in der Printbranche nicht das große Jammern ausbrechen. Sie brauche auch in Zukunft hochqualifiziertes journalistisches Handwerk, das sich mehr und mehr exklusiven, lokalen Geschichten, die wirklich interessieren, widmen müsse, sich aber nicht die Inhalte von Verbänden, Vereinen und Lokalpolitik vorschreiben lasse. „Denn Zeitung ist „Heimat“ und schafft lokale Identität“, war Heuns Stichwort für Peter Taubald.
Taubald, der nicht mit jedem Befund und jeder Vorhersage seines Vorredners zu den längst „Totgesagten“ übereinstimmte, betonte die große Bedeutung des Abbildens von Gemeinschaftsleben („Community“) in lokalen Tageszeitungen. Die Branche musste sich trotz des rasanten Vormarsches der elektronischen Medien, einmal abgesehen von drastischen Redaktions-Etatkürzungen, die zu Qualitätsverlusten führten, jahrzehntelang nicht immer wieder neu erfinden. „Daher rührt heute die große Unruhe. Aber auch in der Zukunft brauchen Zeitungen Kompetenz und „Community“. Denn die journalistische Analyse sowie die Bewertung und Einordnung von Nachrichten sind unser Kerngeschäft“, unterstrich Peter Taubald und sagte weiter: „Der allgemeinen Entwicklung von Druckerzeugnissen und Internet müssen die Redaktionen und Verlage künftig mit dem Schnüren von interessanten und informativen Medienpaketen begegnen, dann haben auch Zeitungen eine gute Zukunft.“