Nicht immer ein ruhiges Pflaster: Täter, Tränen und Torturen

Angelika Bode erläuterte den Teilnehmern der Führung die „kriminelle Vergangenheit“ Burgdorfs. (Foto: SMB)

Stadtmarketing Burgdorf lud zur kriminalistischen Spurensuche ein

BURGDORF (r/jk). Welche dunklen Kapitel gibt es in der Burgdorfer Kriminalgeschichte zu verzeichnen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der letzten in dieser Saison von Stadtmarketing Burgdorf präsentierten öffentlichen Stadtführung am vergangenen Sonntag. Wie ihre Vorgänger seit April hatte sie einen thematischen Schwerpunkt. Unter dem Motto „Hinter Schloss und Riegel“ begab sich Stadtführerin Angelika Bode mit 35 Teilnehmern zu den Schauplätzen ehemaliger Aufsehen erregender Verbrechen.
Vom Treffpunkt am Wicken-Thies-Brunnen führte der Weg direkt ins Amtsgericht in der benachbarten Schlossstraße. Direktor Dr. Wilfried Lehmann-Schmidtke lud zu einem kurzen Rundgang durch das Gerichtsgebäude ein, bei dem die Führungsteilnehmer den Hauptverhandlungssaal und eine ungastliche Arrestzelle kennen lernten. „Alles in allem ist Burgdorf ein ruhiges Pflaster“, resumierte Lehmann-Schmidtke. Doch dem war nicht immer so.
Vor dem Burgdorfer Schloss wusste Angelika Bode von einem Schweinehirten zu berichten, der im 17. Jahrhundert als ertappter Schafsdieb in die Fänge des Scharfrichters Saur geriet. Als er sein Verbrechen leugnete, unterzog ihn der „Meister der Tortur“ einer Spezialbehandlung in der Folterkammer des Schlosses. Erwartungsgemäß bekannte er nach dieser unangenehmen Prozedur seine Missetat.
Nicht ohne Eindruck blieb auch die Geschichte der des Pferdediebstahls bezichtigten Katharina Beinsen, die diese aus einer Notsituation entstandene Verfehlung im Jahr 1744 mit dem Leben bezahlen musste. Eine eher milde Strafe hatte im Jahr 1588 ein Bienenkorbdieb zu erdulden, der mit einem Landesverweis davon kam.
Nach dieser Rückschau auf Verbrechen geringerer Tragweite ging es weiter zum Pfarrwitwenhaus in der Mittelstraße. Am 13. September 1845 kam es in dem ehemaligen Altersruhesitz Burgdorfer Superintendenten-Witwen zu einem heimtückischen Tötungsdelikt. Schlachtermeister Heinrich Thöne, seit drei Jahren Inhaber einer in diesem Gebäude beherbergten Metzgerei, empfing am Nachmittag den Besuch eines Verwandten, der eine größere Bargeldsumme bei sich führte. Als sich dieser weigerte, dem schuldengeplagten Thöne Geld zu leihen, erschlug ihn der Schlachter und stahl ihm sein Geld. Den Leichnam vergrub er auf einem zwischen Burgdorf und Otze liegenden Feld. Längere Zeit blieben die Umstände seines Verschwindens rätselhaft. Die Mordtat ging als schauerliches Verbrechen in die Annalen der Burgdorfer Kriminalgeschichte ein. Stadtführerin Angelika Bode trug anschaulich die Hintergründe der Tat vor. Die Leiche wurde von Hunden ausgescharrt und den Übeltäter traf die von Scharfrichter Fröhlich in Celle vollzogene Todesstrafe.
Nächste Station der „kriminalistischen“ Entdeckertour war das Hauptgebäude der Burgdorfer Stadtsparkasse in der Marktstraße. Hier berichtete Angelika Bode von einem spektakulären Banküberfall, der am 11. Mai 1965 in der Sparkassen-Filiale am Celler Tor geschah. Überrascht vernahmen die Teilnehmer, dass der bekannte Schauspieler und Schriftsteller Burkhard Driest für die Tat verantwortlich war. Drängende Geldsorgen hatten den angesehenen Künstler in seiner Studentenzeit zu dem Verbrechen in filmreifer Wildwestmanier veranlasst. Dabei schreckte er nicht davor zurück, die Bankangestellten mit einer geladenen Waffe zu bedrohen. Nur wenige Wochen später erfolgte seine Festnahme. Nach einer mehrjährigen Haftstrafe zeigte sich Driest geläutert. Seitdem taucht sein Name nur noch im künstlerischen Zusammenhang in den Medien auf.