Neue Ausstellung: „Kaiser, Krieg und Revolution – Burgdorf und der 1. Weltkrieg“

Die anfängliche Kriegsbegeisterung des Jahres 1914 ist nach hohen menschlichen Verlusten rasch vergessen. (Foto: VVV Burgdorf)
 
Die Ernährungssituation für die Zivilbevölkerung verschlechtert sich mit jedem Kriegsjahr. (Foto: VVV Burgdorf)

„Vom reinigenden Kriegsgewitter“ zum „menschenfressenden Monster“

BURGDORF (r/jk). Welche Auswirkungen hatte der 1. Weltkrieg auf die Stadt Burgdorf und wie erlebten die Einwohner den ersten Massenvernichtungskrieg der Weltgeschichte? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der neuen Ausstellung „Kaiser, Krieg und Revolution – Burgdorf und der 1. Weltkrieg“, die der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt Burgdorf von Sonnabend, 23. Mai, bis Sonntag, 16. August, im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) präsentieren.
Das für die Zusammenstellung verantwortliche Projektteam besteht aus Horst Regenthal, Brunhilde Schmidt, Gero von Oettingen und Christoph Adolph. Maßgebliche Förderung leistete die Stadtsparkasse Burgdorf. Projektleiter Horst Regenthal eröffnet die Ausstellung am Sonntag, 17. Mai, um 17.00 Uhr. Bürgermeister Alfred Baxmann begrüßt die Gäste. Professor Dr. Rolf Wernstedt, ehemaliger Landtagspräsident und Kultusminister des Landes Niedersachsen, hält den Einführungsvortrag. Als musikalischer Gast trägt der Burgdorfer Musiker Daniel Fernholz zeitkritische Lieder vor.

„Hurra, es ist Krieg!“

Die Ausstellung lädt die Besucher zu einer Zeitreise in die Jahre 1914 bis 1918 ein und wirft neue Schlaglichter auf die damaligen Lebensbedingungen in Burgdorf. „Hurra, es ist Krieg!“, lautete die Meinung einer überwältigenden Mehrheit der Deutschen, als sich am 1. August vor 101 Jahren die Nachricht vom Kriegsausbruch wie ein Lauffeuer verbreitete. Auch viele Burgdorfer zogen mit Begeisterung in den Ersten Weltkrieg. „Ich fühle mich so vollkommen wohl, dass mir von den kommenden Strapazen nicht Angst ist“, schrieb ein junger Kriegsteilnehmer. Die anfängliche Vorfreude auf ein „reinigendes Kriegsgewitter“ und der Traum vom schnellen Sieg wichen schon bald der Realität des „menschenfressenden Monsters Krieg“.

Fast 1.000 Tote und Schwerverwundete

Das „Burgdorfer Kreisblatt“ errichtete an mehreren Stellen in der Stadt Anschlagtafeln, auf denen laufend die neuesten Meldungen vom Kriegsschauplatz standen. Der von der Zeitung aufgenommene pathetische Hurra-Patriotismus spiegelte die in der Auestadt anfangs spürbare Kriegsbegeisterung wider. Doch schon bald füllten die ersten Namen der aus Burgdorf stammenden Gefallenen die Zeitungsseiten. Bis zum Kriegsende hatten die Familien fast 1.000 Tote und Schwerverwundete zu beklagen. Bei einer damaligen, die Ortschaften einschließenden, Einwohnerzahl von 5.000 Menschen bedeutete dies, dass in einer überdurchschnittlich hohen Anzahl an Haushalten Opfer zu beklagen waren. Wenn ein solcher Schicksalsschlag das Familienoberhaupt betraf, begann ein langer Leidensweg für die Angehörigen, da es für sie nur mangelhafte staatliche Unterstützung gab. Ein wenig Abhilfe brachte in Burgdorf die von der Kirche getragene Volksküche. Zur Verschärfung der Situation trugen die Rationierung der Lebensmittel, die Einschränkung der Kohlevorräte und häufige Stromausfälle bei.

Arbeiter- und Soldatenrat

Zahlreiche Schautafeln verdeutlichen, auf welche Lebensbereiche die Kriegsereignisse einen negativen Einfluss nahmen. Die Ausstellung richtet die Aufmerksamkeit zudem auf die revolutionären Unruhen des Jahres 1918. Sie entwickelten sich aus der gesteigerten Kriegsmüdigkeit der Soldaten und griffen rasch auf die Arbeiterschichten über. Dies führte zum Zusammenbruch der Monarchie sowie zur Gründung der Weimarer Republik, auf die Kaiser Wilhelm II. mit seiner Abdankung im November 1918 reagierte. Wie in vielen anderen Städten bildete sich in Burgdorf am 8. November 1918 ein Arbeiter- und Soldatenrat, den der Sozialdemokrat Jürgen Rodehorst anführte. Er kümmerte sich um drängende Probleme wie Lebensmittelknappheit, Wohnungsnot und die existenziellen Nöte der Kriegsheimkehrer. Die Schau dehnt ihren Betrachtungsradius darüber hinaus auf die größeren zeitgeschichtlichen Zusammenhänge und den allgemeinen Kriegsverlauf bis zum Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 aus.
Zu den Exponaten gehören Kriegsstammrollen der Burgdorfer Soldaten, nach denen sich deren Aufenthaltsorte nachvollziehen lassen, Fotos, Briefe, Tagebücher und ähnliche authentische Augenzeugenberichte, Urkunden, Zeitungsausschnitte, Waffen, Uniformen und Utensilien aus dem militärischen Bereich sowie Lebensmittelkarten und weitere Hinterlassenschaften aus dieser Zeit.
Die Burgdorfer Lebensverhältnisse in den Kriegsjahren stehen auch im Mittelpunkt einer Stadtführung, die Stadtmarketing Burgdorf am Sonntag, 2. August, um 14.00 Uhr präsentiert. Startpunkt ist der Wicken-Thies-Brunnen auf dem Spittaplatz. Teilnehmerkarten gibt es bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2.
Das Stadtmuseum ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Interessierte Besuchergruppen haben die Möglichkeit, einen innerhalb der Woche liegenden Führungstermin zu vereinbaren. Ansprechpartner ist VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich (Tel. 05136/1862).