Naive Vorfreude auf den 1. Weltkrieg: „Hei, waren das aufregende Tage!“

Nach ihrer Ankunft an der Front wurde den Soldaten im 1. Weltkrieg schnell die Bedeutung ihrer Lage klar. (Foto: VVV)

Aus dem Kriegstagebuch des Immenser Wilhelm Bühring

BURGDORF/IMMENSEN (r/jk). „Hei, waren das aufregende Tage!“, so beschrieb der aus Immensen stammende Soldat Wilhelm Bühring seine Reaktion auf die Nachricht des unmittelbar bevorstehenden Aufmarsches an die Front. Diese Kriegsbegeisterung teilte er mit Millionen anderer Soldaten, die 1914 mit fanatischem Enthusiasmus in den 1. Weltkrieg zogen und zu spät erkannten, dass sie in eine gigantische Massenvernichtungsmaschinerie geraten waren.
An Schicksal der aus dem Burgdorfer Raum stammenden Soldaten und die Leiden der Zivilbevölkerung erinnert die Ausstellung „Kaiser, Krieg und Revolution – Burgdorf und der 1. Weltkrieg“, die bis zum 16. August im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) zu sehen ist. Zu einer neuen Ausgabe des Beiprogramms laden der VVV und die Stadt am Sonnabend, 13. Juni, um 17.15 Uhr ein. Im Mittelpunkt steht eine Lesung mit fünf Schülern des Gymnasiums Burgdorf. Sie tragen Auszüge aus Wilhelm Bührings Kriegstagebuch vor, dessen Vorstellung erstmals in einem öffentlichen Rahmen erfolgt. Projektleiter Horst Regenthal entdeckte das autobiografische Werk bei seinen Recherchen für die Ausstellung.
Das Tagebuch des damals 21-jährigen Wilhelm Bühring beginnt im Frühjahr 2014, also mehrere Monate vor dem Kriegsausbruch. Symptomatisch für viele andere junge Kriegsteilnehmer ist die Naivität und unbekümmerte Begeisterung, mit der er seine Erlebnisse nach der Einberufung und die erste Feindberührung an der russischen Frontlinie schildert. Auffällig erscheint die mangelnde emotionale Beteiligung, mit der er von den ersten sechs Gefallenen seiner Einheit berichtet und die weiteren Kampfszenen mit den russischen Gegnern wiedergibt. So drückt er das Bedauern über den Tod seines „besten“ Kameraden mit den wenig mitfühlenden und unpersönlichen Worten aus: „Er fiel als Held an meiner Seite“. Das Tagebuch endet am 29. August 1915, als Bühring vermutlich aufgrund einer Beinverletzung in ein Lazarett kam und sich gegen eine Fortführung seiner Aufzeichnungen entschloss. Der Immenser überlebte den Krieg und eröffnete 1919 ein Radiogeschäft.
Die Gymnasialschüler im Alter von 16 und 17 Jahren bereiten die Tagebuchlesung im Deutschkurs ihrer Lehrerin Kadidja Mensak vor. Der Kurs beschäftigt sich für die Abiturprüfung im Fach Deutsch mit dem Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque. Das Werk spiegelt auf erschütternde Weise den grausamen Kriegsalltag an der Westfront und den permanenten Kampf ums Überleben in den Schützengräben wider, der – falls sie von den Kugeln des Gegners verschont blieben - zu einer kaum erträglichen traumatischen Belastung der Soldaten führte.
Das Stadtmuseum ist bei freiem Eintritt sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Interessierte Gruppen, die eine Führung an einem Wochentag vereinbaren möchten, können sich an VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich (Tel. 05136/1862) wenden.