Nach 1.475 Tagen Heimkehr von der großen Walz

Großer Empfang in Ehlershausen für Sarah Lindner. (Foto: Dana Noll)

Großes Begrüßungskomitee in Ehlershausen für Sarah Lindner

EHLERSHAUSEN (dno). Punkt 15 Uhr warteten Familie, Freunde, Dorfbewohner und die Ortsbürgermeisterin Birgit Meinig ungeduldig auf die Heimkehr von Sarah Lindner aus Ehlershausen. Nach 1.475 Tagen auf der Walz war es nun Zeit, nach Hause zu kommen!
Der Ehrengast ließ sich Zeit. Trotz der guten Versorgung mit Getränken und Brezeln durch die Familie Lindner wurde das Warten lang am Ortsschild Ehlershausen, Straße Edental in Richtung Großmoor. Hier warteten alle ungeduldig auf die Heimkehr von Sarah Lindner, die im Oktober 2012, vor 1.475 Tagen, das Ortsschild überkletterte um in Richtung „weite Welt“ zu ziehen.
Wohlbehalten, mit vielen Eindrücken und überglücklich kam sie erst kurz vor 18 Uhr mit etwa dreistündiger Verspätung in der Heimat an. Auf der Walz ticken die Uhren eben anders... Von ihren Kameraden wurde sie über das Ortsschild gehoben und fiel dann ihrer Familie in die Arme. Danach wurde bis zum frühen Morgen im Schützenheim gefeiert.
In den vergangenen gut 4 Jahren sah man sich nur für einen kurzen Stopp zum Beispiel in Hamburg, Lübeck oder Frankfurt. Sarah hingegen war bundesweit unterwegs und sogar in Rumänien, der Schweiz, Österreich, England und Irland.
Etwa 400 Wandergesellen gehen jährlich bundesweit auf die „Walz“ – das bedeutet, auf die Wanderschaft oder „Tippelei“ eines Handwerksgesellen nach seiner Prüfung. Seit dem 12. Jahrhundert ziehen so junge Handwerker durchs Land, um andere Regionen, Kulturen, aber vor allem neue Fertigkeiten in ihrem Fach kennenzulernen. Mindestens drei Jahre und einen Tag und mit einem Abstand von 50 Kilometern zum Heimatort müssen die Wandergesellen unterwegs sein. Wichtigster Begleiter ist der Charlottenburger, ein etwa 88 mal 88 Zentimeter großes Tuch, in dem der Lehrling Wechselwäsche, Zahnbürste und Werkzeug trägt. Auf dem meist zu einer langen Wurst geknoteten, mit Wappen bedruckten Stoff kommt oben noch der Schlafsack. Weitere Utensilien sind der Stenz, eine Art gewundener Wanderstab, und das Wanderbuch, das alle Arbeitseinsätze des Lehrlings belegt.
„Genaue Pläne gibt es noch nicht, Sarah wird erst einmal zu unserer Oma ziehen, die sich schon sehr freut. Jetzt heißt es vorerst ankommen“, so Schwester Jessica.