„Mutter aller Sitzungen“ mit vielen Emotionen

Zwei Stellvertretern von Bürgermeister Baxmann musste in geheimen Wahlgängen in das repräsentative Amt verholfen werden. Hier CDU-Fraktionsvize Robert Apel bei seiner Stimmenabgabe. (Foto: Georg Bosse)
 
Dem neu gewählten Rat der Stadt Burgdorf sitzt nun Armin Pollehn (CDU) vor. (Foto: Georg Bosse)

Armin Pollehn zum neuen Ratsvorsitzenden gewählt

BURGDORF (gb). In Anwesenheit der Ehrenratsherren Karl-Heinz Meyer (CDU), Walter Wundram (SPD) und Günter Neben (FDP) ist am vergangenen Donnerstagabend im Saal des Burgdorfer Schlosses am Spittaplatz die öffentliche Konstituierende Ratssitzung zur 18. Wahlperiode eröffnet worden. Es war an dem an Lebensjahren ältesten Ratsmitglied, Hans-Dieter Morich (74; SPD), zum Beginn der „Mutter aller Sitzungen“, so Morich, die Anwesenheit aller 35 Ratsfrauen und -herren und die Beschlussfähigkeit festzustellen.
Nach der Verpflichtung der Ratsmitglieder durch Bürgermeister Alfred Baxmann stellten die bestehenden Fraktionen und Gruppen jeweils ihre Vorsitzenden vor. Die Sozialdemokraten werden von Gerald Hinz und die Christdemokraten von Mirko Zschoch als Fraktionsvorsitzende angeführt. Sie sind auch die Vorsitzenden der Gruppen SPD/Grüne/WGS bzw. CDU/FDP. Als weitere Fraktionsvorsitzende stellten sich Hartmut Braun (Grüne) und Kurt-Ulrich Schulz (WGS) sowie Karl-Ludwig Schrader (FDP), Michael Fleischmann (Linke) und Christiane Wichmann (AfD) vor.
Anschließend wurde Armin Pollehn (CDU) bei zwei Enthaltungen zum neuen Ratsvorsitzenden gewählt.
Kurz nachdem Pollehn die Sitzungsleitung übernommen und sich selbst als moderierender „Teamplayer“ vorgestellt hatte, warf er einen „sportlichen“ Blick auf die 11 Ratsfrauen sowie auf die „rote Elf“ (SPD) und „schwarze Elf“ (CDU) und sagte, dass er bei der künftigen Ratsarbeit „Problemlösungen auf Bundesliganiveau“ erwarte.
Die Erwartungen der CDU, ihren Fraktionschef Mirko Zschoch einvernehmlich als 1. stellvertretenden Bürgermeister installieren zu können, durchkreuzte Gerald Hinz (SPD) mit dem Gegenkandidatsvorschlag Matthias Paul. Daraufhin verlangte CDU-Fraktionsvize Barthold Plaß geheime Wahl. Beide Kandidaten verfehlten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit von 19 Ja-Stimmen. Im zweiten Wahlgang wurde Matthias Paul (SPD) mit einfacher Mehrheit (18 Stimmen) zum 1. stellvertretenden Bürgermeister gewählt. Auch bei der Wahl zum 2. stellvertretenden Bürgermeister unterlag Mirko Zschoch im ersten Anlauf. Hier musste er sich, ebenfalls im zweiten Wahlgang, Simone Heller (Grüne; 18 Stimmen) geschlagen geben. Immerhin kann Mirko Zschoch hin und wieder als 3. stellvertretender Bürgermeister in der Öffentlichkeit auftreten. Ohne Gegenkandidaten/in und gegen zwei Enthaltungen (Linke) wurde ihm in offener Abstimmung wenigstens dieses Amt überlassen.
Bei der „Bestimmung der Ortsvorsteher/innen“ kochten ein wenig die Emotionen hoch. Simone Heller (Grüne) prangerte den christdemokratischen Umgang mit Walter Degenhardt an. Dieser hätte sich vor den „Wahlkampfkarren der CDU“ spannen lassen und so für ein Wahlergebnis im Dorf gesorgt, dass der CDU das Vorschlagsrecht für das Amt des Ortsvorstehers von Sorgensen einräumte. Dass nach dem Gruppenvertrag mit den Freidemokraten der bisherige Amtsinhaber Dirk Schwerdtfeger (FDP) nun weiter Ortsvorsteher von Sorgensen bleiben soll, kann getrost als Deal bezeichnet werden, der Simone Heller, selbst Sorgenserin, mächtig erzürnte. „Sie haben Wählertäuschung betrieben, die gegenüber Walter Degenhardt menschlich mies und verachtenswert ist“, so die stellvertretende Bürgermeisterin zur CDU. Jetzt hielt es Christiane Wichmann (AfD) nicht mehr auf ihrem Platz, die Hellers Wortwahl monierte. Und Zschoch warf Simone Heller vor, die „Grundlagen demokratischer Gepflogenheiten mit Füßen zu treten“.
Schließlich wurden folgende Ortsvorsteher vom Rat mehrheitlich durchgewunken: Klaus Köneke (Beinhorn; CDU), Heiko Reißer (Heeßel; CDU), Cord-Heinrich Schweer (Hülptingsen; CDU), Dirk Schwerdtfeger (Sorgensen; FDP), Jörg Neitzel (Dachtmissen; CDU) und Bernhard Kracke (Weferlingsen; CDU).