#MeToo-Debatte auch in Sehnde

Aktiv gegen häusliche Gewalt, v.l. Gleichstellungsbeauftragte Sehnde Jennifer Glandorf, Brigitte Mende von der AWO Frauenberatung Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze, Editha Vögel, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Hildesheim und Thomas Vögel, Flüchtlingshilfe Sehnde e.V..
 
Hilfesuchende finden alle Informationen und Kontakte in zahlreichen Broschüren, die im Bürgerbüro Sehnde ausliegen.

Für einen respektvollen Umgang und gegen jede Form von Gewalt

VON DANA NOLL

SEHNDE. Die Enthüllungen in den USA rund um die sexualisierte Gewalt durch den Regisseur Harvey Weinstein und die daraus entstandene #Me Too-Kampagne haben den Stein ins Rollen gebracht. Sexuelle Belästigungen und Übergriffe sowie jede Art von seelischer Verletzung und körperlicher Gewalt rücken nun endlich dorthin, wo sie schon lange hingehören - in die Öffentlichkeit! Auch der Arbeitskreis häusliche Gewalt in Sehnde nimmt die Debatte zum Anlass, verstärkt auf diese Problematik aufmerksam zu machen, die Frauen zu sensibilisieren und - vor allem - zu stärken. Denn, „sexualisierte Gewalt ist eine Form der häuslichen Gewalt, bei der Abhängigkeitsverhältnisse oft ausgenutzt werden, um die eigene Machtposition zu festigen“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Sehnde, Jennifer Glandorf.
„Frauen haben häufig weniger Selbstbewusstsein, das rührt auch aus den gesellschaftlichen Strukturen sowie der klassischen Rollenverteilung“, ergänzt Brigitte Mende von der AWO Frauenberatung für Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze. „Es passiert überall und ist schon alltäglich geworden“, so die Gleichstellungsbeauftragte,“Die #Me Too-Bewegung ist nur die Spitze des Eisberges.“
Allein in Deutschland ist jede dritte Frau von sexualisierter und /oder körperlicher Gewalt betroffen. Sexuelle Belästigung zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten und alle beruflichen, sozialen und privaten Bereiche. Über 58 Prozent der Frauen geben an, bereits sexuell belästigt wurden zu sein – sei es durch Taten oder durch Worte. Die Bandbreite ist groß und die Dunkelziffer noch größer.
„Es geht nicht darum, nicht mehr flirten zu dürfen, aber die Begegnung muss auf Augenhöhe sein. Persönliche Grenzen dürfen nicht überschritten werden“, so Glandorf. „Ein Nein ist ein Nein“, ergänzt Mende.
Frauen, die Hilfe sowohl in schwierigen Lebens- als auch in akuten Krisensituationen brauchen, können sich jederzeit - natürlich - an die Polizei (Telefon 110) wenden, aber auch an Beratungsstellen.
Dazu zählt die AWO Frauenberatung Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze, die telefonisch unter 05132/82 34 34 oder persönlich in der Goethestraße 8 in Lehrte zu erreichen ist. Sprechzeiten nach telefonischer Vereinbarung montags 15 Uhr bis 18 Uhr und dienstags bis donnerstags von 10 Uhr bis 12 Uhr. Die Beratungen sind vertraulich, anonym und kostenfrei. Weiterhin kann sich an die Koordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt unter 0511/21 97 81 98 oder an das Frauenhaus unter 0511/22 11 02 gewandt werden. Zusätzlich liegen im Bürgerbüro Broschüren aus, die Erst-Informationen geben und Ansprechpartner sowie Telefonnummern enthalten. Die Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen der Region Hannover ist unter Telefon 0511/616 221 60 in der Hildesheimer Straße 20 in Hannover zu erreichen.
Kostenfreie und vertrauliche Dokumentationen von Verletzungen und damit Beweissicherung für Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt bietet das Netzwerk ProBeweis, in Hannover unter 0511/532 45 99 erreichbar. Hier werden Spuren und Verletzungen zeitnah gesichert und sachkundig dokumentiert – und das für mindestens drei Jahre. Somit können Opfer auch zu einem späteren Zeitpunkt Anzeige erstatten und auf die Beweismittel zurück greifen.