Menschenrechte erlauben Mensch zu sein

Erika Büchse (r.) freute sich sehr zur „Woche der Menschenrechte“ den Generalsekretär der deutschen Amnesty-Sektion, Markus N. Beeko (l.), im Burgdorfer Schloss begrüßen zu können. (Foto: Georg Bosse)
 
Seit gut 18 Monaten betreut Erika Büchse (r.) eine syrische Familie aus Aleppo, die jetzt in Burgdorf beheimatet ist. Dr. Mazen Assim ist Arzt, seine Gattin Huda Ingenieurin und Sohn Mohammad sieben Jahre alt. (Foto: Georg Bosse)

ai-Generalsekretär Markus N. Beeko zu Besuch in Burgdorf

BURGDORF/ALTKREIS (gb). Mit einer „Woche der Menschenrechte“ (25. - 29. September) hat die Amnesty International-Gruppe Burgdorf, Burgwedel, Uetze & Wedemark (ai-1005) ihre Arbeit in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Zum Auftakt der Aktionswoche konnte zur großen Freude von ai-Gruppensprecherin Erika Büchse am vergangenen Montag der Generalsekretär der deutschen ai-Sektion, Markus N. Beeko, im Ratssaal der Burgdorfer Schlosses am Spittaplatz begrüßt werden. Das Mitglied der Führungsebene im deutschen ai-Sekretariat war angereist, um zur weltweiten Lage des internationalen Menschenrechtsschutzes zu sprechen. Die Schirmherrschaft für diese Veranstaltung hatte Vize-Bürgermeisterin Simone Heller mit einem Grußwort im amnestygelben Blazer übernommen.
Zur Einführung wies Erika Büchse auf den Fall des iranischen Ayatollahs Sayed Hossein Kazemeyni Boroujerdi hin, der seit 2007 im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert ist, das für die Unterbringung politischer Gefangener berüchtigt ist. „Ich habe alle Qualen erlitten, meine Gesundheit verloren und keine Hoffnung, mein Leben fortzusetzen. Meine Beine sind gelähmt. Ich werde blind, meine Lungen sind in Gefahr zu versagen und mein Herz ebenso“, lauten die letzten Zeilen vom August 2015, die seine Freunde erreichten. Seit 2009 setzt sich die ai-Gruppe Burgdorf, Burgwedel, Uetze & Wedemark für Boroujerdi ein.
Die weltpolitische Lage gibt keinen Grund zur Hoffnung, die Arbeit von ai überflüssig werden zu lassen. „Menschenrecht ist Langstrecke. Für die lebendigen zivilgesellschaftlichen Bewegungen, die sich unermüdlich für die Menschenrechte einsetzen, ist sie häufig eine mühselige Arbeit“, begann Beeko vor rund 50 Besuchern, darunter der ai-1005-Mitbegründer Prof. Dr. Otto Ludwig (Burgwedel). Aber wo beginnen die universellen Menschenrechte überhaupt, die sich auf allen Kontinenten Angriffen ausgesetzt sehen und unterdrückt werden? „In kleinen Orten, nah an der Heimat - so nah und so klein, dass sie nicht auf irgendwelchen Karten der Welt gesehen werden können“, war die Antwort der Menschenrechtsaktivistin und US-Präsidentengattin Eleanor Roosevelt (1884-1962).
„Die Missachtung von Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit, wie beispielsweise in Polen und in der Türkei, kann täglich beobachtet werden. Entwicklung, Frieden und Stabilität brauchen aber eine aktive Zivilgesellschaft, die sich organisieren kann. Diese Möglichkeiten werden nicht nur in repressiven Regimes, sondern auch in Demokratien mehr und mehr eingeschränkt“, machte Markus N. Beeko deutlich.
Menschenrechtsverteidiger werden zunehmend diffamiert und kriminalisiert. So wurden beispielsweise zwei führende Vertreter von Amnesty in der Türkei verhaftet und inhaftiert. „Dagegen muss die Staatengemeinschaft klare Zeichen setzen“, forderte der ai-Generalsekretär.
Deutschland befürwortet das Weltrechtsprinzips (auch Universitalitätsprinzip). Demnach ist der Generalbundesanwalt am Bundesgerichtshof für die Verfolgung von Straftaten gegen international geschützte Rechtsgüter (Genozid, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen), die keinen besonderen Bezug zum Inland haben, zuständig. „Menschenrechte erlauben Mensch zu sein. Deshalb braucht es einen menschenrechtlichen Kompass, um Kurs zu halten“, so Markus N. Beeko.