Menschenrecht auf ein würdiges Begräbnis

Ausstellung geht mit Vortrag von Luise Metzler zu Ende

BURGDORF (r/jk). Am 27. November geht die Ausstellung „Schweigend spricht der Stein: Bilder jüdischer Grabstätten aus Hannover und Burgdorf" mit einem Vortrag von Dr. theol. Luise Metzler, Bielefeld, zu Ende.
Luise Metzlers bibelwissenschaftliche Dissertation „Das Recht Gestorbener. Rizpa als Toralehrerin für David“ wurde 2015 mit dem Marga Bührig-Förderpreises für feministisch-befreiungstheologisches Arbeiten ausgezeichnet. Es geht ihr um die Rechte der Toten, konkret um das Menschenrecht auf ein würdiges Begräbnis.
Unser heutiges Bild, dass die Toten in der Erde ruhen und ihnen diese Ruhe nicht vorzuenthalten ist, geht auf biblische Texte zurück. Dabei wurde der Friedhof im Alten Testament als der Ort des Gottschauens verstanden, und Verstorbene haben ein Recht darauf, in Ruhe Gott zu schauen.
Das Recht der Toten auf ein Begräbnis ist in der Tora verbrieft. Die Tora erhebt Einspruch gegen unwürdigen Umgang mit Verstorbenen. Metzler verdeutlicht das an der Frauengestalt Rizpa im zweiten Samuelbuch und stellt fest: Rizpa geht zu den Hingerichteten hinaus, hält wortlos Wache. Schützt so Land und Gottheit vor Entwürdigung. Das wäre eigentlich die Aufgabe des Königs (David). Rizpa fordert darum die Bestattung der Hingerichteten ein. Das Einhalten der Tora bedeutet Menschlichkeit walten zu lassen.
Was heißt das für unsere Zeit? Hunderte von Einwanderern an der europäischen Außengrenze sterben vor Hunger und Krankheit. Wie werden sie bestattet, dass sie in Frieden Gott schauen? Was geschieht mit den Kriegstoten oder den ertrunkenen Vertriebenen, durch die ein Meer oder Sandstrände zum Ort des Grauens werden? Die Erde wird zutiefst besudelt mit Unmenschlichkeit. Wer steht gegen diese Entwürdigung der Gottheit auf?
Luise Metzler ist Mutter von drei Töchtern und Großmutter von sieben Enkeln. Sie unterrichtete zuerst als Lehrerin Sonderpädagogik, rief mit anderen das erste Kindersorgentelefon ins Leben und engagierte sich jahrelang bei der Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache. In den 90er Jahren begegnete sie Dorothee Sölles Werk „Es muss doch mehr als alles geben“. Das eröffnete Metzler einen neuen Zugang zu religiösen Fragen und führte letztlich zum Theologiestudium, nachdem sie ihre belastete Beziehung mit einem allmächtigen Gottes-Verständnis abgebrochen hatte. Heute arbeitet die Bielefelderin als Erwachsenenbildnerin und engagiert sich in ihrer Gemeinde als Theologin.
Musikalisch begleitet wird die Finissage von Violine und Akkordeon, meisterhaft gespielt von Marianna Volkova und Victor Bolgov, mit Stücken von Piazzola und Vivaldi.
Beginn ist um 15.00 Uhr in der KulturWerkStadt, Poststraße 2, Burgdorf.