Mehr Platz für Beratung

Die Koordinatorin Marion Jakobi (von links) und Flüchtlingshelferin Claudia Ohnesorge freuen sich über die zweite Wohnung für den Nachbarschaftstreff.

Der Nachbarschaftstreff am Ostlandring nutzt jetzt zwei Wohnungen, die direkt nebeneinander liegen

BURGDORF (fh). „Wir haben sogar auf der Toilette beraten“ - mit dieser Anekdote illustriert Koordinatorin Marion Jakobi, wie eng es im Nachbarschaftstreff am Ostlandring bis vor Kurzem war. Am Dienstag hat sie zusammen mit ihrer Kollegin Claudia Ohnesorge und vielen Gästen gefeiert, dass sie jetzt deutlich mehr Platz für ihre Angebote haben als bisher. Seit seiner Gründung vor 15 Jahren war der Nachbarschaftstreff in einer rund 70 Quadratmeter großen Wohnung im Ostlandring 33 untergebracht. Das reichte zuletzt nicht mehr aus. Die Stadt hat deshalb im September eine zweite Wohnung gleicher Größe direkt daneben angemietet.
„Wir sind froh, dass die Stadt erkannt hat, dass wir mehr Platz brauchen“, sagt Jakobi. Sie betont, dass die Beratungsgespräche auf der Toilette keine Zuspitzung und auch kein Einzelfall gewesen seien: „Vormittags waren regelmäßig alle Räume belegt, mit Deutsch-Unterricht, Kinderbetreuung und anderen Gruppenangeboten. Wenn dann jemand nach einer persönlichen Beratung gefragt hat, blieb uns nur das Badezimmer.“
Zur Zeit werde das Angebot besonders von Flüchtlingen genutzt, es richte sich aber an alle Bewohner der Südstadt und auch anderer Stadtteile. Nach Jakobis Einschätzung kommen zur Zeit rund 40 Familien und zusätzlich Einzelpersonen regelmäßig in den Nachbarschaftstreff. Sie stellen in der offenen Beratung Fragen zu Krankenkassen oder Sozialhilfe, besuchen den Deutsch-Unterricht oder nutzen eines der vielen Gruppenangebote. „Beim Internationalen Café und beim Mitbring-Frühstück ist es immer rappelvoll“, sagt Jakobi.
Die Eröffnungsfeier am Dienstag setzte noch einmal einen obendrauf: Mehr als 50 Besucher, unter ihnen viele Nachbarn, aber auch Ratspolitiker und Mitarbeiter von Kooperationspartnern wie der Diakonie waren der Einladung gefolgt. Als Jakobi zu Beginn eine kurze Begrüßungsrede hielt, waren nicht nur alle Stühle besetzt, die Gäste drängten sich auch im Stehen dicht an dicht bis in den Nebenraum.
Nach dem offiziellen Teil haben die Kinder draußen Blumenzwiebeln eingepflanzt und drinnen Blumenstecker aus Holzspachteln und Tonkarton gebastelt. „Mit den Blumen wollen wir symbolisch zeigen, was mit ein bisschen Pflege entstehen kann und wie es den Alltag bereichert“, erklärt Jakobi. So wie sie sich das auch für den Nachbarschaftstreff wünsche.
Insgesamt sind fast 50 Menschen beim Nachbarschaftstreff aktiv, zum Teil ehrenamtlich, zum Teil über Kooperationspartner wie die Paulus-Gemeinde, den Kinderschutzbund oder das Frauen- und Mütterzentrum finanziert. Die Stadt beteiligt mit der Gleichstellungsbeauftragten und der Mobilen Jugendhilfe. Außerdem zahlt sie die Miete für die beiden Wohnungen sowie die Teilzeitstellen von Jakobi und Ohnesorge.
Gegründet wurde der Nachbarschaftstreff 2003 auf Initiative des Arbeitskreises Integration des Präventionsrates der Stadt. Barbara Martens hat das Projekt 14 Jahre lang koordiniert. Im vergangenen Jahr übergab sie ihr Amt an Jakobi.