„Man weiß` nicht, was morgen passiert“

Alfred Rautenberg von der Alzheimer Gesellschaft gab den Anwesenden einen ehrlichen Einblick in sein Leben als Angehöriger eines an Demenz Erkrankten.

Alfred Rautenberg gab ganz persönliche Einblicke

VON DANA NOLL

BURGWEDEL. Zu einem besonders bewegenden und emotionalen Vortrag kamen am vergangenen Dienstagnachmittag über 20 Interessierte in die Seniorenbegegnungsstätte nach Burgwedel. Hier gab Alfred Rautenberg von der Alzheimer Gesellschaft Hannover e.V. einen ganz tiefen und persönlichen Einblick in sein Leben, das ganz intensiv von der Erkrankung seiner Ehefrau geprägt wurde.
Mit nur 57 Jahren wurde bei ihr eine besonders schwere Form der Demenz, die Frontotemporale Demenz, diagnostiziert. Hierbei handelt es sich um ein Absterben der Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich, dem Bereich, der hauptsächlich für Sprache und auch Wesenszüge zuständig ist. „Das war am schwersten, zu sehen, dass neben dem Verlust von Orientierung, geistigen Funktionen oder auch der Sprache, hier eine komplette Wesensänderung stattfand“, so Rautenberg, „Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat.“
Aus der aktiven und sportlichen Ehefrau, die bis dahin berufstätig war und den Alltag und Haushalt gemeistert hat, wurde in nur drei Jahren ein Pflegefall. Unvorstellbar, unfassbar und nicht zu begreifen für die Menschen, die ihr am Nächsten standen, ihre Familie und vor allem ihr Ehemann.
„Sie hat nicht mehr gelesen, sich nicht mehr gepflegt oder gewaschen, den Haushalt geführt oder gelesen, was sie immer sehr gern gemacht hat“, erzählt Alfred Rautenberg, „Nach einer Weile war sie komplett verstummt und starrte immer nur mit einem monotonen Blick in die Umwelt.“
Was dann folgt, waren viele Phasen, die Angehörige von Demenzerkrankten durchleiden: Tränen, Trauer, Hilflosigkeit, Wut und auch Aggression. Die Erkenntnis „Ich kann nichts tun“, war für Alfred Rautenberg schwer - aber nötig. „Man muss lernen, damit umzugehen und es zu akzeptieren“, erzählt er. Und, „man braucht Hilfe“, fügte er hinzu.
Mit seiner Arbeit in der Alzheimer Gesellschaft Hannover e.V. und mit dem Austausch in Gesprächskreisen gelang es ihm, zu akzeptieren, dass die Krankheit nicht heilbar ist und nicht aufgehalten werden kann. „Da zerbrechen Menschen, ich versuche heute mit meiner Arbeit und den Vorträgen anderen zu helfen.“
Bundesweit sind von der Frontotemporalen Demenz etwa 30.000 Menschen betroffen. Wenn sich die Verdachtsprognose bestätigt, bleiben dem Patienten durchschnittlich etwa 8 bis 16 Jahre. Die Frau von Alfred Rautenberg lebt heute in einem geschlossenen Heim. „Ich besuche sie regelmäßig und sie macht einen ruhigen Eindruck.“
Man merkt, wie schwer es ihm fällt, aber auch gleichzeitig wie entschlossen er ist, darüber zu sprechen. Das Publikum zeigte sich vor allem dankbar und interessiert, denn viele Angehörige von Betroffenen waren unter den Gästen. „Der Vortrag war sehr bewegend aber er hat mir auch viele Informationen gegeben, weil es eben aus der Sicht eines Angehörigen geschildert wurde. Das hilft mir weiter“, so eine Besucherin, deren Vater ebenfalls an Demenz erkrankt ist.
Das Alzheimer-Telefon ist für Erkrankte und Angehörige unter 030/259 37 95 14 oder 01803/17 10 17 von Montag bis Donnerstag von 9 Uhr bis 18 Uhr und am Freitag von 9 Uhr bis 15 Uhr erreichbar. Weiterhin gibt es einen Gesprächskreis Demenz in Burgwedel, Kontaktaufnahme über die Seniorenbegegnungsstätte Burgwedel unter 05139/89 41 69 oder bei Alfred Rautenberg unter 05136/91 78 568.