Lieben und leben in der Luft

Näheres zu den Gewohnheiten und dem Bestand der Vögel in Burgdorf erläuterte Ernst Schmidt (Mitte) anhand von zwei Mauersegler-Präparaten. Foto: Georg Bosse
 
Beim ersten Stopp erklärte Ernst Schmidt der Gruppe wie Mauersegler „ticken“ und die Burgdorfer „Nordstraße“ zu einem „Eldorado“ für die flinken Flieger. Foto: Georg Bosse
Burgdorf: Georg Bosse |

NABU-Neujahrsspaziergang zum Thema „Mauersegler“

BURGDORF (gb). Ganz Burgdorf hatte zum mitternächtlichen Jahreswechsel Feuerwerksböller und -raketen sowie ungezählte Sektkorken knallen lassen, um 2018 frohgelaunt willkommen zu heißen. Wenige Stunden danach fanden sich über 50 Burgdorfer/innen auf dem Schützenplatz zusammen, um mit Ernst Schmidt vom NABU Burgdorf, Lehrte & Uetze an frischer Januarluft spazieren zu gehen. Der beliebte NABU-Neujahrsspaziergang „Von elf bis halb eins“ hat schon eine lange Tradition und trat seine Runde am vergangenen Montag unter der Themenüberschrift „Mauersegler“ an.
„Der Mauersegler ist ein ganz besonderer Vogel“, machte Ernst Schmidt auf den Rundgang neugierig, bevor sich die Gruppe in Richtung „Nordstraße“ in Bewegung setzte.
Die Mauersegler (Apus apus) sind der Inbegriff des Sommers sowie der Eleganz und Leichtigkeit. Mit ihren schrillen „Srih-Srih“-Rufen kündigen sie den Sommer an und sind daher im Luftraum über den Städten und Dörfern sehr auffällig. Durch den hellen Abendhimmel eilen sie mit schnellem Flügelschlag und zwischenzeitlichem Gleitflug, um hoch oben schwirrende Insekten, wie Mücken, Schwebfliegen, Spinnen und geflügelte Blattläuse zu jagen. Mauersegler sind extrem an ein Leben in der Luft angepasst. Außerhalb der Brutzeit halten sie sich für etwa 10 Monate nahezu ohne Unterbrechungen in der Luft auf. Auch die für die Fortpflanzung erforderliche Begattung erfolgt nach einer Flugbalz in der Luft („on the wing“).
Beim Übergang vom Fels- zum Gebäudebrüter wurden Mauersegler zu Kulturfolgern, die heute in Deutschland und Europa vorzugsweise in Steinbauten, wie Wohnhäuser, Kirchtürme oder Fabrikgebäude, brüten. Dazu werden vielerlei (kleine) Hohlräume unter den Dächern genutzt.
Haben die Mauersegler lange Zeit von der Urbanisierung profitiert, so stellen heute die vorherrschenden Baustile ein Problem für die Vögel dar. Isolierte Gebäude und moderne Fassaden bieten ihnen immer weniger geeignete Nischen und sie finden kein „Dach mehr über dem Köpfchen“.
„Mauersegler kehren immer wieder zu ihren alten Nistquartieren zurück. Weil die Segler zu den Arten zählen, deren Nistplätze unter naturschutzrechtlicher Obhut stehen, ist jeder Bauherr verpflichtet, die Einflugmöglichkeiten für eine bestehende Population zu erhalten. Zuwiderhandlungen können strafrechtlich verfolgt werden“, erklärte Schmidt, der die Burgdorfer „Nordstraße“ als ein „Eldorado“ für Mauersegler bezeichnete. Die flinken Vögel hinterlassen auf den Fassaden kaum Schmutz, da sie sich ohnehin nur gut drei Monate am Brutplatz aufhalten. Nur von etwa April/Mai bis Juli/August verweilt das Gros der Mauersegler in ihrer (Burgdorfer) Brutheimat. Sie nutzen den Insektenreichtum der warmen Monaten. Sollten sie jedoch wegen einer Kaltfront nicht genügend Nahrung finden, begehen hauptsächlich nichtbrütende Mauersegler „Wetterflucht“. Sie fliegen bis zu 2000 Kilometer in wärmere Gefilde, um sich mit Nahrung für sich und ihre Brut zu versorgen. Während ihrer Abwesenheit überdauern die Jungvögel in einer Art Hungerschlaf. Nach vollendeter Brut ziehen die Mauersegler wieder nach Afrika, um dort zu „Übersommern“.