Letzter Gottesdienst in der Hänigser St. Barbara Kirche

Diakon Hartmut Berkowsy und Ulrich Ensinger räumen den Altar. (Foto: Wolfgang Obst)
 
Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger im Gespräch mit Pastor Ralf Halbrügge. (Foto: Wolfgang Obst)

Hänigser Kirche wurde mit einem feierlichen Pontifikalamt profaniert

HÄNIGSEN (r/jk). Noch einmal war die Hänigser St. Barbara Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Noch einmal, ein letztes Mal, feierte die gesamte Pfarrgemeinde St. Nikolaus mit ihren drei Kirchorten Burgdorf, Hänigsen und Uetze zusammen mit Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger ein feierliches Pontifikalamt, begleitet vom Chor New Hymn.
Ihre Verbundenheit durch ihre Anwesenheit brachten neben den politischen Vertretern der Gemeinde Uetze, dem Hänigser Ortsrat und einer starken Abordnung der Partnergemeinde St. Norbert Calbe/ St. Marien Schönebeck unter ihrem Vorsitzenden Christian Naumann, auch Pastor Ralf Halbrügge von der evangelischen St. Petri-Kirchengemeinde zum Ausdruck.
Aufgrund zurückgehender Gemeindemitglieder aber auch vor dem Hintergrund finanzieller Belange hatte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle mit Schreiben vom 21. September 2009 der Kirchengemeinde mitgeteilt, dass die St. Barbara Kirche zu Hänigsen geschlossen wird. Am vergangenen Freitagabend war es nun so weit. In seinen Abschlussworten erinnerte Pfarrer Martin Karras daran, dass mit diesem Gotteshaus viele Erinnerungen verbunden bleiben werden. Erinnerungen an freudige Ereignisse wie Taufen, Erstkommunionen und Hochzeiten aber auch an traurige Tage. Auch wenn es das aus Stein gebaute Haus nicht mehr geben wird, die Gemeinde wird weiter leben. Weiterleben nicht nur in anderen Räumlichkeiten in Hänigsen, sondern insbesondere in ihrem Glauben an Gott. „Dieses“, so Martin Karras, „ist unsere christliche Stärke. Wir sind nicht allein. Wir sind in der Gemeinschaft mit Gott gut aufgehoben.“ Weihbischof Schwerdtfeger erinnerte in seiner Predigt an die Namenspatronin. „Auch Barbara wurde aus ihrem Zuhause vertrieben, aber das hat sie nicht von ihrem Glauben abgebracht“, sagte Schwerdtfeger. „Wir bleiben Kirche.“
Nach der Kommunion wurden Kelch und Hostienschale nicht mehr in den Tabernakel zurückgestellt. Die Kerzen wurden gelöscht, der Altar von Diakon Martin Berkowsky und Lektor Ulrich Ensinger bis auf die Steinplatte abgeräumt. Viele Anwesende hatten Tränen in den Augen, als Propst Martin Tenge anschließend das Profanierungsdekret von Bischof Norbert Trelle verlass. Ganz still wurde es dann, als Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger, Propst Martin Tenge, Pfarrer Martin Karras, Diakon Hartmut Berkowsky, Lektor Ulrich Ensinger und die Messdiener nach dem letzten Segen die St. Barbara Kirche schweigend verließen. Für viele war es der schmerz- und emotionsvollste Moment dieser abendlichen Stunde. Einigen der Hänigser Katholiken war es einfach nicht möglich, nach 51 Jahren an diesem Abend Abschied von ihrer Kirche nehmen zu müssen. Sie hatten sich schon Tage zuvor von ihrem Gotteshaus an der Obershagener Straße verabschiedet.
Angelika Wirz vom Pfarrgemeinderat machte beim anschließenden Empfang im Gemeindesaal deutlich: „Auch wenn wir jetzt Trauer zulassen müssen, so gilt es doch die Bitterkeit über den Schließungsprozess zu überwinden.“ Wirz wies auch noch einmal darauf hin, dass sich die Menschen hier in Hänigsen nicht nur von Burgdorf zu damaliger Zeit, sondern auch von Hildesheim allein gelassen fühlten. Das Unverständnis über den Beschluss aus Hildesheim und die unzureichende Unterstützung aus Burgdorf hat viele Herzen in Hänigsen gebrochen.
Dem seit 2010 amtierenden Pfarrgemeinderat war es daher sehr wichtig, dass das Gemeindeleben in Hänigsen weiter gelebt werden kann und nicht alles nach Burgdorf verlagert wird. Daher habe es schon Anfang 2010 erste Gespräche mit der evangelischen Kirchengemeinde über die Nutzung von Räumlichkeiten gegeben, die in diesem Jahr und insbesondere unter Pfarrer Martin Karras vorangetrieben wurden. Angelika Wirz weiter: „Aber auch die Türen von St. Nikolaus stehen für sie, die Hänigser, weit offen. Es gilt jetzt, die Gemeinschaft zu pflegen und uns gegenseitig zu unterstützen.“ Wirz wies weiter darauf hin, dass der Altar der St. Barbara Kirche künftig in der St. Barbara-Kapelle innerhalb der St. Nikolaus-Kirche stehen wird, ebenso die Barbarafigur.
„Der Kirchenvorstand hat ihrer Bitte auf Nutzung der Räumlichkeiten der St. Petri-Kirchengemeinde einstimmig zugestimmt. Es ist selbstverständlich, dass Christen in dieser Zeit sich gegenseitig unterstützen.“ Dieses war die erfreuliche Botschaft, die Pastor Ralf Halbrügge beim Empfang überbrachte. Die Gastfreundschaft seiner Gemeinde, wünschte er sich, soll dazu beitragen, dass beide Kirchen enger zusammenwachsen. Halbrügge weiter: „Dieser ökumenische Neuanfang sollte der Beginn sein, mehr voneinander zu lernen und Wissenslücken zu überbrücken.“ Diesem Anliegend konnten die Anwesenden nur zustimmen. Angelika Wirz und Pfarrer Martin Karras dankten Pastor Halbrügge und dem Kirchenvorstand der St. Petri-Kirchengemeinde für dieses Entgegenkommen.