Kunst aus dem Briefumschlag

Vom 6. bis 31. Januar zeigt die Burgdorfer Künstlerin Susanne Schumacher ihre Mail-Art-Ausstellung "Hope - Faith - Love" in der Galerie Boesner in Hannover. (Foto: privat)

Die Burgdorfer Künstlerin Susanne Schumacher stellt ihr internationales Mail-Art-Projekt "Hope - Faith - Love" in Hannover aus

BURGDORF/HANNOVER (fh). 151 Kunstwerke aus 31 Ländern – vom 6. bis 31. Januar zeigt die Burgdorfer Künstlerin Susanne Schumacher die Ausstellung "Hope – Faith – Love" in der Galerie Boesner, Bornumer Straße 164, in Hannover. In den Werken spiegeln sich ganz unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven auf das Thema „Glaube, Liebe, Hoffnung“ wider, sie bedienen sich verschiedener Techniken und Ausdrucksformen.
Aber bei aller Vielfalt gibt es ein verbindendes Element: Alle Beiträge haben Susanne Schumacher auf dem Postweg erreicht. Die Briefumschläge, in denen sie verschickt wurden, haben für das Projekt deshalb fast ebenso große Bedeutung wie die Werke selbst. Auf den Umschlägen sind ausländische Briefmarken und Poststempel, sie sind zum Teil liebevoll gestaltet und die Künstler haben handschriftlich Schumachers Adresse darauf notiert.
„Mail Art“, also Post-Kunst, nennt sich diese Bewegung. Die Mail-Art-Künstler begreifen Kommunikation als Teil ihres Schaffens. Sie bauen sich im Laufe der Jahre weltweite Netzwerke mit anderen Künstlern auf und nutzen die Kontakte für Projekte und Ausstellungen. Dieser Austausch macht die Mail Art aus. „Es gibt einen großen gegenseitigen Respekt für die Arbeit“, betont Schumacher.
Auch ihre Ausstellung wäre ohne ihre vielen Kontakte in der Szene nicht möglich gewesen. Schon seit zehn Jahren hat sie sich der Mail Art verschrieben und sich an vielen Projekten mit ihren Beiträgen beteiligt. Nun hat sie erstmals eine eigene Ausstellung konzipiert. Dafür hat sie Künstlerkollegen aus aller Welt dazu aufgerufen, sich mit dem Thema „Glaube, Liebe, Hoffnung“ zu befassen und ihr die entstandenen Werke per Post zuzusenden. 151 Künstler, unter anderem aus den USA, Australien, Japan, der Türkei, Lateinamerika und vielen europäischen Ländern, sind dem Aufruf gefolgt. Viele von ihnen kennt Schumacher persönlich. „Diese Verbundenheit mit Menschen aus aller Welt ist etwas Wunderbares“, sagt Schumacher.
Die „Post-Kunst“ stellt auch ganz praktische Anforderungen. So hatte Schumacher beispielsweise vorgegeben, dass jeder Beitrag in einen 10x15-Umschlag passen sollte. Dementsprechend sind in der Galerie Boesner jetzt viele kleine Kunstwerke im Postkartenformat zu sehen. Nur einige wenige Künstler wie Ryosuke Cohen aus Japan haben sich etwas mehr Raum gelassen, indem sie ein größeres Blatt Papier auf das geforderte Format gefaltet haben.
Für Schumacher hat das Projekt viel Arbeit bedeutet. Sie hat die eingesendeten Beiträge nicht nur für die Ausstellung geordnet und gerahmt, sondern archiviert sie auch. Denn die Kunstwerke werden nicht zurückgeschickt. Sie bleiben in Schumachers eigener Sammlung. Daraus erwächst ihr eine besondere Verantwortung. „Man verpflichtet sich, die Werke zu archivieren und weltweit zugänglich zu machen“, erklärt Schumacher. So sind alle Beiträge, die sie in der Galerie Boesner zeigt, auch im Internet auf ihrer Dokumentations-Website https://mailartproject.wordpress.com zu finden.
Die Ausstellung ist vom 6. bis 31. Januar in der Galerie Boesner, Bornumer Straße 164, in Hannover zu sehen. Sie ist in diesem Zeitraum montags bis freitags von 9.30 Uhr bis 18.30 Uhr, sowie sonnabends von 10 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet.

Geschichte der Mail Art

Ihren Ursprung hat die Mail Art in den USA. Ab Ende der 1940er Jahre versandte der New Yorker Künstler Ray Johnson an einige Künstlerkollegen selbst gestaltete Postkarten. Er bat sie, sie um einen eigenen Beitrag zu ergänzen und sie dann entweder an ihn zurückzusenden oder sie an weitere Künstler zu schicken. Damit wollte er einen auf eine Einzelleistung begrenzten Kunstwerksbegriff überwinden und künstlerische Kooperation zu fördern. In den Siebzigerjahren bildete sich die Idee der Mail Art zu einer günstigen und flexiblen Ausdrucks- und Austauschmöglichkeit für kulturellen Außenseiter. Sie verbreitete sich zu dieser Zeit vor allem dort, wo staatliche Zensur die kulturelle und künstlerische Freiheit beeinträchtigte, insbesondere in einigen Ländern Lateinamerikas und des Ostblocks.