Kulturleben in Burgdorf ist beispielhaft

Bürgermeister Alfred Baxmann dankte dem Förderverein Stadtmuseum für seine ehrenamtliche Arbeit. (Foto: Joachim Lührs)
 
Unternehmer Albert Toma unterstützt seit Jahren den Förderverein Stadtmuseum. (Foto: Joachim Lührs)

Förderverein Stadtmuseum traf sich zur Mitgliederversammlung

BURGDORF (r/jk). „Nur das Erreichte zählt: dieses Motto trifft für die ehrenamtlich tätigen Helfer des Fördervereins Stadtmuseum zu, die mit immer neuen in die Wirklichkeit umgesetzten Ideen zu einem abwechslungsreichen Ausstellungsprogramm in den beiden Museen beitragen“, betonte Bürgermeister Alfred Baxmann in der aktuellen Mitgliederversammlung des Fördervereins Stadtmuseum Burgdorf.
Dies sei ein wichtiger Unterschied zu vielen Politikern, bei denen es heißt: „Das Erzählte reicht“, ohne dem Taten folgen zu lassen. „Dabei darf keinesfalls unterschätzt werden, was für eine kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung das museale Angebot in unserer Stadt hat, mit dem wir uns an ein breites Publikum wenden und insbesondere Tagestouristen ansprechen wollen“, bekräftigte Baxmann.
Von immenser Bedeutung sei auch die identitätsstiftende Wirkung für die Burgdorfer Einwohner, die beide Museen als ein wichtiges Kommunikationszentrum wahrnehmen. „Wenn wir uns in der Region umschauen, stellen wir fest, dass das weitgehend ehrenamtlich organisierte Kulturleben unserer Stadt einen beispielhaften Charakter für Städte vergleichbarer Größenordnung aufweist“, unterstrich der Bürgermeister. An der Generierung dieses kulturellen Mehrwertes habe der Förderverein Stadtmuseum einen entscheidenden Anteil. Er warnte davor, dass die Kommunalpolitik durch ein weiteres Zusammenschmelzen finanzieller Zuschüsse diesen ehrenamtlichen Einsatz erheblich beeinträchtigen würde. „Die dadurch entstehenden Lücken können nicht allein durch Sponsoren abgedeckt werden“, mahnte Baxmann.

18 Ausstellungen im Jahr 2017

Vorangegangen war der Jahresrückblick des Vorsitzenden Gerhard Bleich, der die Aktivitäten des Jahres 2015 noch einmal Revue passieren ließ. „Im vergangenen Jahr waren in beiden Museen mehr als 30.000 Besucher zu verzeichnen, so dass wir wieder einen maßgeblichen Anteil am kulturellen Leben und touristischen Angebot hatten“, lautete sein Resümee. Als wichtigste Herausforderungen der nächsten Jahre bezeichnete er die Modernisierung des Stadtmuseums, die Digitalisierung der Archivvorkommen und die Erweiterung der Magazinkapazitäten.
Welche Ausstellungen in beiden Museen im Jahr 2017 zu sehen sind, berichtete der stellvertretende Vorsitzende Jürgen Mollenhauer. Unter den 10 Ausstellungen, die das Stadtmuseum zeigt, ragen die beiden Mittelalter-Ausstellungen (21. Januar bis 26. März), „200 Jahre Fahrrad“ und „Hermann Hoffmann – vom Schwarzsender zum Wellenbummler“ (beide vom 8. April bis 5. Juni) und „Volksgemeinschaft, Volksempfänger, Volkswagen – Propaganda im Nationalsozialismus (2. September bis 29. Oktober) heraus. Das Programm in der KulturWerkStadt umfasst acht Ausstellungen. Hervorzuheben sind die Aktionsausstellung „Kunstwerkstatt“ des JohnnyB. (21. Januar bis 12. März), „Lieblingsorte in Burgdorf (6. Mai bis 18. Juni) und die Experimenteausstellung (2. September bis 15. Oktober).
Bei den Vorstandswahlen votierten die Mitglieder einstimmig für eine weitere Amtszeit des Vorsitzenden Gerhard Bleich, des stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Mollenhauer und der Kassenwartin Kristine Bäuerle. Schriftführer Hans-Werner Lehmitz hatte nach 18-jähriger Tätigkeit als Schriftführer seinen Rückzug angekündigt. An seine Stelle trat Jürgen Lange, Mitglied des VVV-Arbeitskreises Stadtmuseum. Neu gewählte Mitglieder des Beirats sind Hans-Joachim-Danne, Klaus Hoffmann, Eckhard Paga, Armin Pollehn und Ingo Willardt.
Eine Ehrung erhielt der Burgdorfer Unternehmer Albert Toma, der nach einer erheblichen Spende im Jahr 2012 aktuell noch einmal 5.000 Euro für die Renovierung des Fahrstuhls im Stadtmuseum bereit gestellt hatte. Der 1964 aus Bagdad nach Burgdorf gekommene Mäzen erklärte, dass ihm eine Herzensangelegenheit sei, sich für die unvoreingenommene und herzliche Aufnahme in der Stadt mit solchen Zuwendungen revanchieren zu können.

Vortrag über Heimatlose in Burgdorf

Im 2. Teil der Mitgliederversammlung stand der Vortrag „Im Schatten des Vergessens - Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und heimatlose Ausländer in Burgdorf 1939 bis 1950“ im Mittelpunkt. Dabei bezogen sich Dieter Heun und Rudolf Bembenneck auf seit mehreren Jahren laufende Recherchen, an deren Ende ein Buch des Arbeitskreises Stadtgeschichte Burgdorf mit dem gleichnamigen Arbeitstitel stehen soll. Das siebenköpfige Team komplettieren Heidi Rust, Peter Pfeiffenbring, Tobias Teuber, der aus Burgdorf stammende Berliner Psychotherapeut Harald Scherdin-Wendlandt und der Berliner Historiker Ralf Gräfenstein. Wie Heun und Bembenneck darstellten, geht es darum, erhellende Streiflichter auf ein (fast) vergessenes Kapitel der Stadtgeschichte zu werfen.
Das in der Vorbereitung stehende Buch berichtet unter der Beteiligung noch lebender Zeitzeugen über die Lebensumstände der heimatlosen Personen, sogenannter „displaced persons“, die in Burgdorf von April 1945 bis 1950 als ehemalige Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter verschiedener Nationalitäten mehrheitlich im Barackenlager „Ohio“ (Namensherkunft nicht eindeutig erklärt) an der Sorgenser Straße untergebracht waren.
Heun und Bembenneck erläuterten in ihrem Buch, dass der Arbeitskreis auch die Vorgeschichte des Lagers erforscht, auf dem sich in der Nazizeit das Gelände der Feuerschutzpolizei befand. Zudem untersuchte das Team, wie sich der Lebensalltag der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in dieser Zeit gestaltete. Sie mussten in Burgdorfer Betrieben, wie der Konservenfabrik und der Waagenfabrik Henckel oder in der Landwirtschaft, manchmal bis zur völligen körperlichen Erschöpfung schwere Arbeiten leisten. Es gab aber auch viele Beispiele, in denen die Zwangsarbeiter eine freundliche Aufnahme bei der Landbevölkerung in den heutigen Burgdorfer Ortschaften fanden.