Klammernahtinstrumente und Kuriositäten-Kabinett

Leihgeber Dr. Heinrich Peyers (Peine) und Dr. med. Julian W. Mall (Großburgwedel; v.li.) schlossen den Burgdorfer „OP-Saal“ Stadtmuseum für „Von der Ameise bis zur Schlüsselloch-Chirurgie“ auf. Foto: Georg Bosse (Foto: Georg Bosse)

Zeitreise durch die Medizinhistorie im Burgdorfer Stadtmuseum

BURGDORF (gb). Seit dem vergangenen Samstag lädt das Stadtmuseum Burgdorf zu einer Zeitreise durch eintausend Jahre Medizingeschichte und einhundert Jahre Medizintechnik ein. Die Ausstellung „Von der Ameise bis zur Schlüsselloch-Chirurgie“ ist noch bis Sonntag, 6. Juni, zu erleben.
Mit teils seltenen Exponaten von Dr. Heinrich Peyers (Peine) präsentiert das Burgdorfer Stadtmuseum medizinischen Fortschritt anhand von zahlreichen Raritäten und ausgefallenen Instrumenten. Darunter unter anderem überlieferte chirurgische Werkzeuge, ein museales Arsenal aus der mittelalterlichen Medizin, ein Feldlazarett, einen aktuellen Operationstrainer, ein kauziges Kuriositäten-Kabinett und eine komplette Sammlung von Klammernahtmaschinen ab 1900.
Der Wunsch, Wunden durch Apparate zu nähen oder zu heilen, ist uralt. Bereits im Ägypten um 2000 v. Chr. wurden bestimmte Ameisen genutzt, um Wunden mit ihren Beisszangen zusammenzuhalten. Die Körper der Ameisen wurden dann abgetrennt und ihre verbleibenden Köpfe und Kiefer als erste „Wundklammer“ in der Heilpraxis bezeichnet.
In einem eindrucksvollen Einführungsvortrag setzte Privatdozent Dr. med. Julian W. Mall, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie (Spezialgebiet „Innere Organe“) des Klinikums Großburgwedel und des Oststadt-Heidehauses, die Geschichte der Klammernahtinstrumente bis hin zur heute häufig üblichen Laparoskopie (Schlüsselloch-Chirurgie) fort. Die Vorteile dieser modernen Operationstechnik sind bestechend: Der Patient hat keinen großen Bauch- oder Brustwandschnitt, sondern kleine, kaum sichtbare Einschnitte, die meist rasch verheilen.
Die medizinhistorische Ausstellung von Dr. Heinrich Peyers ist bei freiem Eintritt im Burgdorfer Stadtmuseum bis zum Sonntag, 6. Juni, jeweils an Samstagen und Sonntagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die begleitende Broschüre (2 Euro) ist sehr zu empfehlen. Für Gruppenführungen, die auch wochentags möglich sind, ist VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich (Tel. 05136/1862) der Ansprechpartner. Am Mittwoch, 28. April, findet sogar eine „schlüssellochchirurgische Demonstration“ im „OP-Saal“ Stadtmuseum statt.