Keine Leiche, dafür viel Applaus für Lily

Alle Akteure haben ein Alibi und Motiv zugleich. Inspektor Baxter hat es nicht leicht, den Mörder zu finden. (Foto: Dana Noll)
 
Inspektor Baxter hört sich geduldig, wenngleich ein wenig genervt, die Ideen von Lily an. (Foto: Dana Noll)

Kriminalkomödie unter der Regie von Christine Garms begeisterte im Johnny B.

BURGDORF (dno). 160 Leute – ausverkauftes Haus in Burgdorf! Das VVV- Theater zeigte die Kriminalkomödie „Keine Leiche ohne Lily“ von Jack Popplewell. Ein buntes Publikum aus älteren Paaren, Freundinnen, Jugendlichen, Familien und sogar einem putzmunterem Baby in der ersten Reihe, die alle eins vereinte – die Lust am Krimi!
„Die Leiche hat eine Schwäche für mich“, stellte Hauptakteurin Heike Busch oder besser, Lily Piper, gleich am Beginn des Stückes fest. Und die Zuschauer hatten wohl eine Schwäche für die quirlige Putzfrau, denn die meisten Lacher gingen auf ihr Konto.
Die Suche nach dem Mörder gestaltete sich in circa 110 Minuten als äußerst knifflig, zumal es nach 45 Minuten nicht mal eine Leiche gab, denn der angeblich Tote, Richard Marshall, stand quicklebendig und in voller Blüte im Raum oder vielmehr wieder auf der Bühne.
Pech für Claire Marshall (Ehefrau), Robert Westerby (Geschäftspartner), Victoria Reynolds (gelangweilte Angestellte) oder Marian Selby (verliebte Privatsekretärin), die allesamt den grantigen Chef liebend gern losgeworden wären. Das Publikum nicht, denn so gab es noch die ein oder anderen Verwirrungen, die bis zur Pause keine Langeweile aufkommen ließen.
Die Story ist schnell erzählt: Putzfrau kommt ins Büro. Chef ist tot. Scheinbar. Sie verständigt Scotland Yard, der sichtlich genervt kommt und den Fall übernimmt. Im Schlepptau sein etwas verklemmter Gehilfe Goddard. Die Lage spitzt sich zu, denn, die Leiche ist weg! Keine Leiche, kein Mord, kein Fall! Ganz einfach, wäre da nicht die quirlige, quasselnde, quengelnde Putzfrau, die noch dazu Ex-Freundin des Inspektors ist.
Und so überstürzen sich die Ereignisse, denn Hobbydetektivin Lily Piper mischt sich ein und alle auf! Eine zweite (der Geliebte) und dritte Leiche (ein Mitarbeiter) bringen zusätzlich Bewegung in die Story. Jeder scheint verdächtigt und hat auch irgendwie ein Motiv. Die gelangweilte und vernachlässigte Ehefrau, die einen Liebhaber hatte oder die Sekretärin, die zwar schwer verliebt war in ihren Chef, aber auch ein wenig merkwürdig erscheint. Der Geschäftspartner Westerby, gespielt von Anias Ruff, überzeugte nicht nur mit seiner gewaltigen Stimme, sondern auch mit seinem Temperament, welches zum Ende noch in den vollen Einsatz kam. Lily selbst scheint auch verdächtig, denn ihr meist betrunkender Ehemann wurde gefeuert, unberechtigt, versteht sich. „Wenn ich jemanden umlegen wollte, nehm` ich ein Maschinengewehr“, so Lily. Daran glaubt im Publikum niemand. Denn die vorlaute Putzfrau oder auch von Goddard als „paranoide Schizophrene“ bezeichnet, wurde vom Publikum längst ins Herz geschlossen.
Zur Pause können die Gäste zwischen Sekt oder Selters wählen. Und wie es sich bei einer Kriminalkomödie gehört, wird auch tüchtig gerätselt, wer denn nun der Mörder ist.
Der lässt dank der Hobbydetektivin und Putzfrau Lily Piper nicht lange auf sich warten – Westerby ist es! Der neidvolle Geschäftspartner, der sich Ehegattin des Chefes und Firma zugleich unter den Nagel reißen wollte. Beeindruckend wie Darsteller Anias Ruff in der Schlüsselszene über die Bühne saust und Heike Busch (Lily Piper) jagt – tosender Beifall vom Publikum. Und über diesen durfte sich auch Sven Müller, Darsteller des Inspektors Harry Baxter freuen. Souverän, sympathisch und glaubwürdig nahm er das Publikum mit und hatte es dabei nicht immer leicht mit seiner Lily. Und so endete das Stück mit einem begeisterten Publikum, einem gefassten Mörder und jede Menge Applaus – auch für die Crew. „Das ist ja aufregender als Fernsehen“, bemerkte Lily Piper in einer Szene. Recht hatte sie.