Kann man aus Damenpumps die Uhrzeit ablesen?

Zuschauerin Mabel Romboy-Päschke im Dialog mit Comedy-Zauberer DESiMO. (Foto: VVV)

Comedy-Zauberer DESiMO entführte in die Welt des Unerklärlichen

BURGDORF (r/jk). Welches Geheimnis verbergen sockenschluckende Waschmaschinen? Umfassende Aufklärung auf diese und andere Fragen aus der Welt des Unerklärlichen versprach der hannoversche Comedy-Zauberer DESiMO, alias Detlef Simon, in seinem Solo-Programm „Übersinnlose Fähigkeiten“, das die Zuschauer im ausverkauften Saal des JohnnyB. verfolgten. Gastgeber waren der junge VVV, die Kulturabteilung der Stadt und das JohnnyB., die damit ihrer KabarettComedy-Reihe einen neuen Glanzpunkt aufsetzten.
Mit lockerem Plauderton und sympathischem Wortwitz ging der Entertainer auf direkte Tuchfühlung mit dem Publikum, das im schnellen Wechsel witzig-scharfzüngige Comedy-Sketche und verblüffende Zaubereien erlebte, die er ohne großes Brimborium mit lässigem Understatement präsentierte.
Urplötzlich im Rampenlicht der Bühne stand der Zuschauer Marcus Krüger, den DESiMO als „freiwilligen“ Assistenten aus der vordersten Reihe des Publikums auswählte. Krüger spielte souverän mit und half dem Künstler dabei, seinen Münz-Wahrsage-Elfmeterschießen-Trick zu demonstrieren. Danach verwandelte sich DESiMO in einen überschwänglichen Sport-Reporter und malte im Stil einer rasanten „Live“-Reportage eine Geburtsszene in einem für Fußballfans bestimmten Kreißsaal aus. Er griff gekonnt den passenden Fußballjargon auf und schilderte minutiös die einzelnen Schritte (vom Pressen der Mutter über den ratlos dabei stehenden Vater) bis zum Austritt des Babys („finale Blutgrätsche“). Dem intimen Vorgang einer Geburt eine derart komische und dabei unverletzende Note abzugewinnen, dürfte wohl nur wenigen Comedians gelingen. DESiMO nutzte die Gelegenheit, um ein Plädoyer für die digitale Geburt auszusprechen, bei der die Mutter das Kind auf ihren USB-Stick mit einer 18-jährigen Mindestlaufzeit herunterlädt und sich damit die anstrengende Prozedur eines analogen Geburtsvorgangs erspart.
Vor der Pause blieb DESiMO beim Thema der digitalen Rundumerfassung aller Lebenslagen und stellte seine USB-Study-Kappe vor, mit der es gelinge sollte, jede Sprache im Handumdrehen zu erlernen. Als Beispiel wählte er die Fantasiesprache „Klingonisch“ aus der Science Fiction-Serie „Star Trek“ aus. Dass in der ersten Zuschauerreihe eine erhöhte Gefahr besteht, als Assistent auf die Bühne geholt zu werden, bewahrheitete sich ein zweites Mal. An der Reihe war die Zuschauerin Mabel Romboy-Päschke. Keinerlei Berührungsängste vor DESiMO zeigend, ließ sie sich von ihm die Kappe aufsetzen. Vorher hatte er ihrem Ehemann Nils Päschke ein Buch mit klingonischen Sätzen anvertraut, aus dem dieser einige Beispiele vorzutragen hatte. Durch die subtil eingestreuten Suggestionen des Zauberers konnte sie sofort die deutsche Übersetzung vortragen.
Die unterschiedlichen Ebenen der Wahrnehmung standen im Mittelpunkt des zweiten Programmteils. DESiMO suchte sich den nächsten Mitspieler mithilfe eines geworfenen „Zufallsknüddels“ aus den mittleren Zuschauerreihen aus. Diesem oblag die Aufgabe, in einem Fühlkasten herumzutasten und die seiner Meinung nach dort vorgefundenen Gegenstände zu beschreiben. So glaubte er, eine Armbanduhr und im zweiten Fall eine Streichholzschachtel erkannt zu haben. Als DESiMO den Kasten öffnete, kamen allerdings ein Damenpumps und im Anschluss eine Wasserflasche zum Vorschein, die die Vermutung nahe legten, dass an diesem sinnverwirrenden Spiel die Zauberkräfte des Künstlers nicht unbeteiligt gewesen waren.
Als geschickter Meister des Wortspiels erwies sich der Künstler beim Vortrag einer selbst gestrickten parodistischen Fortsetzung eines Stieg Larsson-Skandinavien-Krimis. Er ließ in seine Geschichte um den Kommissar Ingmar Ikea und den Gerichtsmediziner Lasse Bullerbü dutzende Verballhornungen eines deutsch-skandinavischen Mischstils einfließen, die allgemeine Lachanfälle provozierten. Bauklötzestaunend erlebte das Publikum den Abschluss des Programms und dankte DESiMO mit tosendem Beifall sowie mit von ihm nicht unbeachtet gelassenen lautstarken Zugabeforderungen für einen hinreißend kredenzten Abend.