Jubiläum für das HaLT-Projekt an der BBS Burgdorf

Katharina Fischer ist beim Team Jugendarbeit der Region Hannover eine der Mitarbeiterinnen, die für das HaLT-Projekt verantwortlich sind. Sie lässt viele praktische Erfahrungen in das Seminar einfließen. (Foto: BBS Burgdorf)

Fünf Jahre Schulungen zum Verkauf von Alkohol an Minderjährige

BURGDORF (r/jk). Darf ich Jugendlichen unter 18 Jahren Pralinen mit Branntweinfüllung verkaufen? Wie reagiere ich, wenn Minderjährige an der Kasse mit Nachdruck darauf bestehen, für sie verbotene alkoholische Getränke zu kaufen, mir vielleicht sogar drohen? Welche Strafen erwarten mich, wenn ich gesetzeswidrig Alkohol an Minderjährige verkaufe? Katharina Fischer vom Team Jugendarbeit und Melanie Wottke vom Jugendschutz der Region Hannover können diese und mehr Fragen fachkundig beantworten. Ihr profundes Wissen geben sie seit nunmehr fünf Jahren in im Rahmen des HaLT (Hart am Limit)-Projekts durchgeführten Seminaren zum Verkauf von Alkohol an Minderjährige an werdende Verkäufer/innen und Kaufleute im Einzelhandel weiter, die den theoretischen Teil ihrer dualen Ausbildung an der BBS Burgdorf absolvieren.
Im Jahr 2012 landeten 26673 Minderjährige bundesweit durch Alkoholmissbrauch als Notfall in einer Klinik. Bundesweit verdreifachten sich die Zahlen seit 2000 nahezu, allerdings war der Anstieg zuletzt deutlich mäßiger als zu Beginn des Jahrtausends. Das HaLT-Projekt entstand 2006 als Reaktion auf die ansteigende Zahl von Jugendlichen „Komasäufern. Die Seminare für Kassenkräfte sind einer von mehreren Bausteinen, die der Negativentwicklung entgegenwirken sollen. Der Einzelhandel war und ist die Hauptbezugsquelle von Alkohol – auch für Minderjährige. Vor dem Diskotheken- oder Kneipenbesuch wird mit Wodka, Bier oder anderen alkoholischen Getränken aus dem Supermarkt „vorgeglüht“. Es macht Sinn, an dieser Stelle Maßnahmen zur Aufklärung zu installieren.
Katharina Fischer berichtet, dass die Seminare zusammen mit weiteren Maßnahmen wie Testkäufen trotz immer höherer Fallzahlen sichtbare Erfolge zeigen. Zeigte das Verhalten vieler Kassenkräfte bei Testkäufen vor fünf Jahren noch, dass sie unsicher waren, welchen Alkohol sie an wen verkaufen dürfen, werden junge Käufer heute viel häufiger nach einem Ausweisdokument gefragt, wenn „verbotene“ Spirituosen über das Band laufen. Neben den Schulungen sind dafür auch verbesserte Kassensysteme verantwortlich, die in einigen Supermärkten eingesetzt werden. Fischer und Wottke, die selbst bei Testkaufaktionen dabei sind – sehen eine große Problematik inzwischen vielmehr darin, dass das Alter des Kunden in der Hektik dann falsch errechnet wird. Die Trainerinnen greifen in den Schulungen auch diese aktuellen Erfahrungen auf und geben hilfreiche Tricks und Kniffe weiter.
Die leider immer noch hohen Fallzahlen, der enge Praxisbezug und das rege Interesse sowie das positive Resümee der Schülerinnen und Schüler auf das Seminar zeigen, dass dieses auch in Zukunft seine Berechtigung behält. In diesem Sinne freuen wir uns auf den Fortgang des sinnvollen Projektes!