Jetzt wird übers Geld gesprochen!

Der Arbeitskreis Frauen für Sehnde engagierte sich erneut am equal pay day.

Infostand und Fotoaktion in Sehnde zum equal pay day

VON DANA NOLL
SEHNDE. Am vergangenen Freitagvormittag, zwei Tage vor dem eigentlichen equal pay day, lud der Arbeitskreis Frauen für Sehnde wieder alle Interessierten ein, sich zu informieren und ein Zeichen zu setzen. Im EDEKA-Markt Sehnde gab es neben Informationen auch die knallroten Beutel, die im tristen Winterwetter die Mittelstraße zum Leuchten brachten.
Der equal pay day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied. Das bedeutet, am 18. März wurden Frauen das erste Mal in diesem Jahr entlohnt!
Denn bis zu diesem Tag, dem sogenannten Gender Pay Gap, arbeiteten sie „umsonst“. Das heißt, 77 Tage wurden Leistungen erbracht, für die ihre männlichen Kollegen bereits seit dem 1. Januar 2018 bezahlt werden.
Doch, obwohl die Lohnungleichheit in Deutschland eine Dauerbaustelle zu sein bleibt, haben die Frauen in den vergangenen zehn Jahren aufgeholt! Der erste equal pay day wurde nämlich noch am 23. April begangen!
"Der Prozess geht dennoch sehr schleppend voran", bestätigt auch Jennifer Glandorf, Gleichstellungsbeauftragte Sehnde. Dennoch wird auch der Arbeitskreis Frauen für Sehnde nicht müde, weiter an diese Ungerechtigkeit zu erinnern und sich zu engagieren.
In diesem Jahr stand der equal pay day unter dem Motto "Transparenz gewinnt!" Damit wurde aufgerufen über Gehälter und Entlohnung offen zu sprechen. Nur so können Frauen endlich prüfen, ob sie deutlich schlechter bezahlt werden, als ihre männlichen Kollegen mit der gleichen Tätigkeit.
Statistisch gesehen, verdienen Frauen 21 Prozent weniger als Männer. Damit liegt Deutschland am unteren Ende der Skala im EU-Vergleich. Nur in Estland (26,9%) und Tschechien (22,5 %) gibt es noch einen größeren Unterschied. Vorbildfunktion erfüllen Italien und Luxemburg sowie Rumänien, die deutlich unter 6 Prozent liegen!
Seit Januar 2018 sind Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten durch das Entgelttransparenzgesetz verpflichtet, ihre Gehaltslisten offenzulegen. Lohntransparenz ist ein Schritt auf dem Weg zur tatsächlichen Gleichstellung. Unternehmen können punkten, wenn Frauen wissen, dass sie nicht wegen ihres Geschlechtes schlechter bezahlt werden.
Faire Löhne bringen Vorteile für Frauen, Männer und Unternehmen!
„Die Lohnlücke zu schließen, ist ein langer Weg, der nur gemeinsam beschritten werden kann. Frauen und Männer, Unternehmen, Politik und Gesellschaft müssen wesentliche Ansatzpunkte zur Schließung der Lohnlücke in den Blick nehmen", so Glandorf.