In Hülptingsen startete die Schützenfestsaison

Die drei Könige Cord-Heinrich Schweer, Courtny Dessaur und Felix Kleinschmidt zusammen mit Adolf Grethe, der seit 60 Jahren Mitglied in Hülptingsen ist. (Foto: Holger Staab)
 
Schützenmusik kam vom Fanfarenzug Wikinger, der den Schützen vorweg vom Festplatz zum Schützenumzug aufbricht. (Foto: Holger Staab)

SV Hülptingsen feierte mit viel Spaß und traditionellen Programmpunkten

HÜLPTINGSEN (hs). Der Schützenverein Hülptingsen feierte am vergangenen Wochenende seine Majestäten des Jahres 2012 beim traditionellen Schützenfest. Es ist das erste Fest in der Region und damit der Beginn der Schützenfestsaison, die erst im August mit den Umzügen in Schillerslage endet. Schon erstaunlich, dass gerade der kleinste Verein diese traditionelle Veranstaltungsreihe eröffnet, aber in Hülptingsen sind die Schützen froh darüber und haben immer noch einen guten Zuspruch zu ihrer Königsproklamation und der anschließenden Party im Festzelt – wie auch in diesem Jahr.
Für die Hülptingser Mitglieder begann die schönste Jahreszeit bereits mit dem Schießen auf die Königsscheiben am Ostermontag und dem „Kranzbinden“ am vergangenen Donnerstag. Das Dorf wurde geschmückt und die Zeit bis zum ersten offiziellen Termin, dem Abholen der Könige am vergangenen Sonnabend verging schnell.
Da standen die neuen Könige bereits fest und die Königsscheiben wurden am Nachmittag an die Häuser der Majestäten angenagelt. Die Schützenkönigswürde trägt jetzt ein Jahr lang Cord-Heinrich Schweer, der sich mit einem 44,3-Gesamtteiler vor Ivo Schirmer (63,4) durchsetzen konnte. Siegfried Hatzky (65,5) wurde Dritter. Bei den Junioren gewann Felix Kleinschmidt mit 62,6 Teiler und als Kinderkönigin konnte Courtney Dessaur (86,6 Teiler) proklamiert werden. Nach den Ehrungen und dem Vesper konnte dann ausgiebig gefeiert werden. Neben den Mitgliedern des Vereins waren auch viele Gäste bei freiem Eintritt gekommen. Die Feier ging bis 2.45 Uhr zu den Klängen von DJ Pitschy - der Vorsitzende Gerd Berkhahn machte dann selbst das Licht aus.
Am Sonntag stand neben dem traditionellen Ausmarsch bei durchwachsenem Aprilwetter der Ausklang mit Kaffeetrinken und selbstgebackenem Kuchen und das Königsessen, bei dem Adolf Grethe für 60-jährige Mitgliedschaft im Deutschen Schützenbund geehrte wurde, auf dem Programm. Erst am Montag endete das diesjährig erste Schützenfest mit dem „Kehraus“, bei dem die Hülptingser Schützen bei einem Marsch durch das Dorf und im Gewerbegebiet Naturalien, Getränke und Spenden sammeln.
Der MARKTSPIEGEL sprach mit dem 1. Vorsitzenden des SV Hülptingsen über den kleinen Schützenverein, die Entwicklung im Schützenwesen und die Zukunft der Schützenfeste.
MARKTSPIEGEL: „Guten Tag Herr Berkhahn, sie sind seit 20 Jahren Vorsitzender des kleinsten Schützenvereins rund um Burgdorf, wie viele Mitglieder hat der SV Hülptingsen und wie schaffen sie es, diese für ein erfolgreiches Schützenfest zu begeistern?“
Gerd Berkhahn: „Ich grüße den MARKTSPIEGEL und bedanke mich zunächst für das Interesse an unserem kleinen Schützenverein. Wir sind zurzeit 60 Mitglieder, wo von ca. 40 mehr oder weniger regelmäßig am Schießbetrieb, der jeden Dienstag stattfindet, teilnehmen.
Ich will mich nicht in den Vordergrund schieben, aber ich glaube, dass ich ein Vereinsmensch bin und das auch vorlebe. So erreiche ich die meisten Schützinnen und Schützen und trage so ein bisschen zur Motivation bei.“
MARKTSPIEGEL: „In Hülptingsen startet schon fast traditionell die Schützenfestsaison, warum wird so früh begonnen?“
Berkhahn: „Wir waren der zuletzt gegründete Schützenverein in Burgdorf (1979) und die damaligen Gründungsmitglieder entschieden sich für Ende April, weil die anderen Monate bereits für die anderen Schützenvereine und -gesellschaften vorbehalten waren.“
MARKTSPIEGEL: „Die Schützenfeste kämpfen mit Besucherrückgängen, ist das bei ihnen auch so?“
Berkhahn: „Das ist bei uns leider auch so! Schützenvereine sind meist überaltert und kämpfen um den Nachwuchs. Die Hoffnung, dass wir durch das Neubaugebiet spürbaren Zulauf bekommen, hat sich bisher leider nicht bewahrheitet.“
MARKTSPIEGEL: „Wie kann ein kleiner Schützenverein ein mit hohen finanziellen Risiken belastetes Schützenfest auf die Beine stellen?“
Berkhahn: „In den letzten Jahren mussten wir feststellen, dass die Ausgaben die Einnahmen aus Spenden und dem Montagssammeln leider überstiegen haben, so dass unsere Reserven fast aufgebraucht sind. Trotzdem wollen wir unsere Schützenfesttradition hochhalten und überlegen, wie wir Sponsoren für das Schützenfest gewinnen können. Allein die Musikzüge und die Musik am Samstagabend kosten zusammen bereits über 1.000 Euro. Eine Entlastung erfahren wir durch die Fa. Drescher, die den Elektroanschluss für den Schützenplatz kostenlos erstellt. Wichtig ist für uns das Sammeln am Montag nach dem Fest, da freuen wir uns über jeden 10, 20 oder sogar 50 Euroschein.“
MARKTSPIEGEL: „Wie sieht es mit den Neubürgern aus dem Neubaugebiet aus, nehmen die am Schützenfest teil?“
Berkhahn: „Der erhoffte spürbare Zuspruch hat leider noch nicht stattgefunden. Im letzten Jahr hat eine Familie (3 Personen) am Schießen auf die Neubürgerscheibe teilgenommen. Aus Kostengründen haben wir dieses Jahr darauf verzichtet. Ein Anfang haben letztes Jahr 8 bis 10 Neubürger gemacht, die ich am Samstagabend im Festzelt gesehen habe. In etwa auch so viele haben am Weihnachtspreisschießen teilgenommen. Wir hoffen, dass sich dieser Trend positiv fortsetzt.“
MARKTSPIEGEL: „Werden sie von den anderen Schützenvereinen rund um Burgdorf unterstützt, waren die beim Schützenfeststart in Hülptingsen dabei?“
Berkhahn: „Ich vertrete in meinem Verein die Linie, dass wir auch zu den benachbarten Schützenfesten gehen. So sieht man uns seit Jahren in Sorgensen, Otze, Burgdorf, Schillerslage und Altmerdingsen, sowie auch beim Kreisfahnenaufmarsch, egal wo er stattfindet. Auch an etlichen Schießen außerhalb unseres Schießstandes nehmen wir teil. Zu unserem Fest kommen alle Burgdorfer Schützenvereine und -gesellschaften, was uns auch sehr freut und natürlich auch hilft, die Besucherzahl zu halten.“
MARKTSPIEGEL: „Gab es schon einmal Fusionsüberlegungen mit anderen Vereinen?“
Berkhahn: „Fusionsüberlegungen hat es das eine oder andere mal bei Diskussionen im Rahmen von Jahreshauptversammlungen gegeben; ernsthafte Schritte wurden allerdings noch nicht unternommen.“
MARKTSPIEGEL: „Vielen Dank für das Gespräch und Anerkennung, dass sie bereits zum 32. Schützenfest auf Bethmanns Wiese geladen haben. Wir hoffen, auch im nächsten Jahr wird es wieder ein Schützenfest in Hülptingsen geben.“