Horst Fascher schnackte über „Sex, Drugs & Rock'n' Roll“

Horst Fascher (74), Mitbegründer des legendären „Star-Club“, und „ ...my best friend“, so Paul McCartney, schnackte in der Burgdorfer KulturWerkStadt über die Anfänge des Rock'n' Rolls in Hamburg. Foto: Georg Bosse (Foto: Georg Bosse)

Hamburger „Star-Club“ war die große Freiheit auf der „Großen Freiheit“

BURGDORF (gb). Na, jetzt wissen wir ja, von wem sich die Macher die Bezeichnung für die Burgdorfer Rock'n' Roll-Historienausstellung in der KulturWerkStadt abgeschaut haben. „Let the good times roll!“ ist der Buchtitel der Autobiografie von Horst Fascher, dem Mitbegründer und ehemaligen Geschäftsführer des legendären Hamburger „Star-Club“.
Horst Fascher war am vergangenen Montagabend zu Gast in der KulturWerkStadt und schnackte vor ausverkauftem Haus über die „guten alten Zeiten“ auf St. Pauli. Der „Hamburger Jung“, der vor etwas mehr als vier Wochen 74 Jahre jung geworden ist, ist in seinem von Musik geprägten Leben oft zu Boden gegangen, aber immer wieder aufgestanden. Dabei halfen ihm seine Erfahrungen, die er in jungen Jahren als Boxer machte. Vom British Forces Network (BFN) wurde der damals „Halbstarke“ vom befreienden Rock'n' Roll-Virus infiziert. Mit „Wumms in den Fäusten“ und Bill Haley im Kopf heuerte „Hoddel“ im „Kaiserkeller“ an, wo er auf Tony Sheridan und „The Jets“ traf. Mutter Fascher wusch die Wäsche der Musiker, fütterte alle mit ihrer Erbsensuppe und Horst wurde irgendwann nicht nur Manager der Gruppe, sondern auch „Mädchen für alles“ im „Top Ten“.
Einen Kompetenzstreit mit dem Clubbesitzer beendete Hoddel mit einem deftigen „Leck mich am A...“ und lernte wenig später einen Typen in schwarzer Lederjacke und einem Weißbrot unterm Arm kennen. Dieser Typ war die Kiezgröße Manfred Weissleder, der ein Dutzend Etablissements auf St. Pauli betrieb. Das „Weißbrot“ ließ sich von Fascher überzeugen, das „Stern Kino“ zu einem Rock'n' Roll-Laden umzubauen. Horst Fascher schnappte sich den englischen Musiker Roy Young als Dolmetscher und machte sich auf nach Liverpool, um die „Beatles“ zur Eröffnung des neuen Clubs nach Hamburg zu holen. Nach Gesprächen mit „Beatles“-Manager Brian Epstein und Nächten mit „Sex, Drugs & „Rock'n' Roll“ im Liverpooler „Cavern“ waren Paul McCartney, John Lennon, Pete Best und George Harrison endlich weich geklopft und sagten Fascher zu.
Im Frühjahr 1962 kündigten rote Plakate in Hamburg an, dass die Zeit der Dorfmusik und das Rudi Schuricke- und Fred Bertelmann-Gedudel nun endgültig zu Ende sei. Am 13. April eröffneten Manfred Weissleder und Horst Fascher ihren Laden auf der „Großen Freiheit 39“ mit vier Bands. Den „Beatles“, Roy Young, „The Bachelors“ und den Südafrikanern „Tex Roberg & The Graduates“. Der Hamburger „Star-Club“ war geboren und von Anfang an ein Riesenerfolg.
In den folgenden gut sieben Jahren gaben sich auf der Reeperbahn Musikkünstler und -gruppen, wie beispielsweise Fats Domino, Little Richard, Jerry Lee Lewis, Ray Charles, Gene Vincent, oder The Everly Brothers, die Clubklinke in die Hand. In der Neujahrsnacht 1969/70 gingen nach einem Gastspiel von „Hardin & York“ im ehemaligen „Beat-Mittelpunkt der Welt“ die Lichter aus. Der „Star-Club“ wurde schließlich nach einem Brand 1987 abgerissen.