Historische Funde in Sehnde

Auch die Öffentlichkeit zeigte sich interessiert an den Funden in Sehnde.

Tonscherben und Schlackereste weisen auf eine frühzeitliche Besiedlung

SEHNDE (dno). Im Zuge von Erschliessungsarbeiten im April diesen Jahres im Neubaugebiet Kleines Öhr in Sehnde, kamen schwarz-rötliche Bodenverfärbungen zum Vorschein. Experte David Zielinski, der von der Gemeinde beauftragt wurde, erkannte sofort, dass es sich hierbei um frühgeschichtliche Produktionsstätten handeln könnte. Weitere Ausgrabungen belegten die Vermutung, denn neben Tonscherben kamen Reste von Schlacke zu Tage, die bei der Eisengewinnung im sogenannten Rennofen zurück bleiben.
"Das weißt auf eine größere frühzeitliche Produktionsstätte hin", vermutet Ute Bartelt, Kommunalarchäologin bei der Region Hannover.
Bei den Rennöfen handelt es sich um aus Lehm oder Steinen errichtete Schachtöfen von etwa 50 bis 220 cm Höhe. Neben dem Schacht befand sich in manchen Fällen eine Herdgrube für den Schlackenablass, die sogenannte Renngrube. Die Rennöfen wurden mit Holzkohle, Holz oder Torf warmgeheizt und dann für die Verhüttung wechselschichtig mit Brennstoff und fein zerkleinertem Erz von möglichst hohem Eisengehalt befüllt. Bei einer Temperatur von etwa 1.000 Grad Celsius wurde ein Teil des Eisenerzes im festen Zustand zu Eisen reduziert, dabei kam es zu einer Schlackenbildung. Diese lief dann aus den Öffnungen in die Herdgrube. In unseren Breitengraden wurden die Rennöfen etwa ab 800 v. Chr. eingesetzt.
Doch die gefundenen Relikte weisen nicht nur auf ein "Gewerbegebiet" hin, sondern auch auf Siedlungstätigkeiten. So wurden Reste von Grubenhäusern entdeckt, die für handwerkliche Tätigkeiten genutzt wurden aber auch als Lagerkeller. Diese waren in den Boden eingetieft und waren von meist nur geringer Fläche. In den Gruben entdeckten die Archäologen eine Vielzahl von Tonscherben, vermutlich stammen die von Vorratsgefäßen.
"Wir haben auch eine aus Ton gefertigte Spinnwirtel gefunden", berichtet Ute Bartelt. Diese wurden als Schwungscheiben beim Handspindeln eingesetzt.
Mit den historischen Funden im Neubaugebiet Kleines Öhr in Sehnde hat hier niemand gerechnet. "Eigentlich ist das Areal eher zu feucht", äußerten sich die Experten überrascht. Die über 1.000 Funde werden nun dokumentiert sowie weiter untersucht und kommen dann in das Archiv vom Landesmuseum Hannover.
Trotz der Ausgrabungen, die Ende November abgeschlossen sein sollen, ist mit einer Verzögerung der Erschließungsarbeiten für die 57 Bauplätze nicht zu rechnen.