„Hexenjagd“ eröffnet die Theatersaison

Nach einer durchfeierten Nacht werden die Mädchen als Hexen angeprangert. (Foto: ©falk von traubenberg)

Wie Angst und Intoleranz eine Stadt in den Ruin treibt

BURGDORF (r/bs). Lust auf Theater wecken! Diesem Prinzip bleibt auch die Spielzeit 2017/2018 des Theaters am Berliner Ring treu.
Ab dem 20. Oktober sind die Zuschauer wieder freitags um 20.00 Uhr zu acht Streifzügen durch die schillernde Welt des Theaters eingeladen. Wie gewohnt gibt es jeweils eine halbe Stunde vorher eine kostenlose Einführung in das Bühnengeschehen.
Zum Auftakt am 20. Oktober steht das Schauspiel „Hexenjagd“ des amerikanischen Dramatikers Arthur Miller auf dem Spielplan. Im Anschluss folgen sechs Aufführungen des Theaters für Niedersachsen und ein Star-Gastspiel der Komödie am Altstadtmarkt aus Braunschweig. Dass sich die vor zwölf Jahren vom VVV und der Stadt übernommene Veranstaltungsreihe im Kulturleben der Stadt fest etabliert hat, zeigen permanent ansteigende Abonnentenzahlen. In der letzten Saison besuchten fast 400 Theaterfreunde regelmäßig die Vorstellungen.
Abos für die neue Spielzeit gibt es weiterhin bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Tel. 05136 – 1862. Dort erhält jeder Interessent eine ausführliche Beratung. Zur Auswahl stehen vier Abo-Kategorien: „MARATHON“ (acht Vorstellungen, Gesamtpreise von 91 bis  124 Euro), WAHL-ABO (fünf Vorstellungen zur freien Auswahl, Gesamtpreise von 71 bis 87,50 Euro) „CLASSICO“ (vier Vorstellungen klassischen Inhalts, Gesamtpreise von 45,50 bis 62 Euro ) und „LIGHT ACTION“ (vier Bühnenstücke der leichten Muse, Gesamtpreise von 45,50 bis 62, Euro. VVV-Mitglieder und Jugendliche bekommen im Vorverkauf Ermäßigungen. Eintrittskarten für alle Einzelvorstellungen sind ab 29. September bei Bleich Drucken und Stempeln und online über www.vvvburgdorf.de erhältlich.
„Hexenjagd“ spielt Ende des 17. Jahrhunderts in der puritanischen Stadt Salem in Massachusetts und beruht auf einer wahren Begebenheit. Der örtliche Pastor Samuel Parris überrascht in der Nacht eine Gruppe junger Mädchen, unter ihnen seine Tochter Betty und seine Nichte Abigail, die teils unbekleidet im Wald ekstatisch um ein Feuer herum tanzen und freizügige Lieder singen.
Am nächsten Morgen werden die beteiligten Mädchen als Hexen angeprangert. Von der geistlichen Untersuchungskommission in die Enge getrieben, dreht die junge Abigail den Spieß um und beschuldigt ihrerseits immer mehr Bürgerinnen und Bürger, mit dem Teufel im Bunde zu stehen.
Eifersucht ist ihr Motiv, als sie schließlich auch die Ehefrau des Bauern John Proctor als Hexe denunziert. Sie hatte mit ihm früher ein Verhältnis und will jetzt die Gelegenheit nutzen, ihn wiederzugewinnen und seine Frau aus dem Weg zu räumen.
Im hysterisch aufgeladenen Klima der Kleinstadt spitzt sich die Lage soweit zu, dass bald jeder jeden verdächtigt. Ein Gerücht genügt, um Dutzende bisher unbescholtene Bürger ins Gefängnis zu bringen.
Dutzende von ihnen werden gehängt, ohne dass andere „Beweise“ gegen sie vorliegen als die haltlosen Anschuldigungen ihrer Mitbürger, die auf diese Weise den allgegenwärtigen Verdacht der Hexerei von sich ablenken wollen. Schließlich bricht das Chaos aus und der ganzen Stadt Salem droht der Ruin.
Der Pulitzer-Preisträger Arthur Miller (1915-2005) schildert in seiner 1953 uraufgeführten „Hexenjagd“ eine Gesellschaft, die sich verleitet durch Aberglauben, Ignoranz, gegenseitiges Misstrauen, Rechtlosigkeit, Fanatismus und Intoleranz zwangsläufig in den Abgrund stürzt.
Obwohl das Stück im Jahr 1692 spielt, kritisiert der Autor in Wirklichkeit die zur Zeit der Entstehung des Werkes aktuellen politischen Zustände der 1950er Jahre in den USA. Sie waren durch eine vergiftete Atmosphäre der Angst geprägt, in der niemand mehr offen seine Anschauungen aussprechen oder öffentlich diskutieren konnte und als liberaler Denker ständig damit rechnen musste, in den Fokus einer gnadenlosen Kommunistenhetze zu geraten.
Für dieses repressive gesellschaftliche Klima war der Senator Joseph McCarthy (1908-1957) verantwortlich, der mit den von ihm eingerichteten Untersuchungsausschüssen gegen angebliche kommunistische „antiamerikanische“ Umtriebe vorgehen wollte. „Hexenjagd“ ist als Millers erfolgreichstes und meistgespieltes Drama inzwischen seit über sechzig Jahren weltweit auf den Theaterbühnen präsent.
Die Hauptrollen in der Inszenierung von Bettina Rehm übernehmen Moritz Nikolaus Koch, Katharina Wilberg, Michaela Allendorf, Laureen Hoffmann, Lilli Meinhardt, Simone Mende, Dieter Wahlbuhl, Paula Freter, Joëlle Rose Benhamou, Gregor Müller
und Gotthard Hauschild.